Der 1. FC Köln ist Herbstmeister. Ungewohnt leise arbeitet sich der rheinische Traditions- und Tragödienverein in seine Bestimmungsliga zurück.

Die Brillenmode des Trainers ist der mit Abstand extravaganteste Akzent einer soliden Kölner Zweitligasaison. Und doch ist Peter Stöger zum Helden der pathosverwöhnten Fans geworden, auch wenn er zum Amtsantritt mit seiner Lebensgefährtin, einer Schauspielerin und Kabarettistin, vielmehr die Sehnsüchte des Boulevards nährte als die Hoffnungen der FC-Anhänger auf eine Rückkehr zu glorreichen Zeiten.

Inzwischen singen die Fans selbst nach den seltenen verpatzen Spielen seinen Namen. Vielleicht, weil sie sich auf eine besondere Weise mit ihm verbunden fühlen. Peter Stöger ist der erste Bundesligatrainer, der sich und seine Gedanken auf Facebook erklärt und in ausführlichen Kommentaren sowohl Einblick in seine Matchpläne als auch in seine Gefühlswelt gewährt.

Als Mittel der Selbstvermarktung sind Soziale Medien längst auch im Fußball etabliert. Viele Spieler machen den Wert ihrer Persönlichkeitsmarke an der Zahl ihrer digitalen Verfolger fest. Damit ist neben der sportlichen Rivalität ein zusätzlicher Wettbewerb entstanden.

Peter Stöger pflegt ein glaubwürdiges Profil. Und der ehemalige Kolumnenschreiber pflegt es selbst. Das erzeugt Nähe bei denjenigen, die zu Tausenden einen vermeintlichen Dialog mit ihm führen und sich damit als Teil einer gemeinsamen Sache fühlen können.

Aber es ermöglicht auch eine Deutungshoheit, die den Handelnden in publizistisch überdrehten Branchen wie dem Fußballgeschäft längst verlorengegangen ist. Mit dem direkten Kontakt zu den Anhängern spart Peter Stöger die Ebene der medialen Bewertung aus. Setzt phrasenhaften Schlusspfiffkommentaren ehrliche Analysen entgegen, auch solche eigener Irrtümer. Womöglich sind Offenheit und ein besseres Verständnis der Motivlagen der richtige Schritt zu mehr Respekt vor der Komplexität der Anforderungen an einen Fußballtrainer.

Der 1. FC Köln hat in dieser Saison viele Spiele gewonnen. Die viel zitierte Gefahr besteht darin, einen negativen Lauf gleichfalls offen und glaubwürdig kommunizieren zu müssen. Vielleicht ist es aber gerade in der Krise erleichternd, für das bewertet zu werden, was tatsächlich ist.