Efraim Langstrumpf, Vater seiner Tochter Pippi und einstiger "Negerkönig", ist zum "Südseekönig" umgetauft worden. Petzi der Bär trifft in seiner Neuauflage nicht mehr auf das unentwegt bumsende "Bumstier", sondern auf ein "Klopfschwein". Nachdem die deutsche Kinderliteratur von Rassismus und anzüglicher Doppeldeutigkeit befreit ist, könnte sie sich nun in Sicherheit wägen. Pustekuchen. Jäh vorbei ist die besinnliche Vorweihnachtszeit, wenn einen beim Vorlesen plötzlich zwei Kinderaugen schockiert anschauen: "Die essen die Gans?!" Ein neuer Ernährungstrend entpuppt sich als Vorlese-Hürde: der Veganismus. In immer mehr Haushalten werden neben Fleisch auch Eier, Milch und weitere tierische Produkte vom Speiseplan gestrichen. Nicht jedoch aus den Kinderbüchern, in denen es vor Weihnachtsgänsen, tröstenden Kakaos und Pfannkuchenorgien nur so wimmelt.

Einem veganen Kind vorzulesen wird zum Hindernisparcours. Überall lauern Eier und Milch, den neuen Frieden zu stören. Was kann man in veganen Zeiten noch unbekümmert vorlesen? Als diplomatisches Werk präsentiert sich die Geschichte der Weihnachtsgans Auguste von Friedrich Wolf. Ursprünglich als Festbraten gekauft, wird sie zum heiß geliebten neuen Familienmitglied. Dem, als es nach dem Rupfen unerwartet wieder zum Leben erwacht, ein wärmender Pullover gestrickt wird. Von diesem Moment an ist Auguste das Leben sicher. Gans schön schlau.