Der Handel mit Büchern wandert ins Internet, die Musikindustrie ist dort schon lange angekommen, doch wann folgt der Kunstmarkt? Wo bleibt der iTunes oder Amazon Store für Kunst und Antiquitäten?

Ansätze gibt es. Die Datenbank Artnet startete bereits 2000 mit Online-Auktionen, allerdings ohne sich damit durchsetzen zu können. Der zweite Anlauf 2008 war schon etwas erfolgreicher. 2011 ist Paddle8 ins Rennen gegangen, zu den prominenten Investoren zählt jetzt auch Damien Hirst. Hier wie da ähnelt das Verfahren dem von eBay. Zu versteigernde Stücke werden nicht in der konzisen Art einer herkömmlichen Auktion aufgerufen, sondern stehen in der Regel mehrere Wochen im Netz. Auch bei Artprice, erst seit Kurzem auf dem Sektor aktiv, bleiben sie länger online – zwischen 3 und 14 Tagen, je nach Entscheidung des Verkäufers. Danach wählt er unter den drei Höchstbietenden den Gewinner aus. Die Augsburger Firma Boubaker wiederum, die seit Februar versteigert, stellt ein "Dashboard" zur Verfügung, auf dem man auch mehrere Objekte gleichzeitig bebieten kann. Gebote lösen jeweils einen Countdown aus. Auf Wunsch steigert ein "Biet-Agent" automatisch mit.

Die ISA Auctionata AG verfolgt ein anderes Konzept, um das Interesse von Sammlern für den Internetkauf zu steigern. Sie hat 2012 damit begonnen, ein klassisches Kunst- und Auktionshaus im Netz aufzubauen. "Welcome to today’s auctions", heißt es auf der Website, wo mit 25 Jahren Echtheitsgarantie geworben wird. 120 Mitarbeiter sind in Berlin und New York für das Unternehmen tätig. Hinzu kommen 250 Experten in über dreißig Ländern: für die klassischen Sammelgebiete, aber auch für mechanische Spardosen, Golf-Memorabilien und Oldtimer-Vespa-Roller. Entsteht hier eine Konkurrenz für die Global Player des Auktionsgeschäfts, für Christie’s und Sotheby’s?

Das Herz von Auctionata schlägt in Berlin-Moabit. Aus einem hauseigenen Sendezentrum in der Franklinstraße wird jeden Freitag um Punkt 18 Uhr Mitteleuropäischer Zeit via Livestream eine Versteigerung ins Web übertragen: Durch ein sicheres und zuverlässiges Patent können Zigtausende den Online-Auktionssaal gleichzeitig besuchen, wirbt Auctionata. Kein Gebot geht in der Masse unter, jedes poppt am digitalisierten Auktionspult in Echtzeit auf. Die Reihenfolge bleibt exakt gewahrt. Smarte Auktionatoren und Experten liefern einstudierte oder vom Teleprompter abgelesene Mono- und Dialoge. Ohne professionelles Schauspieltraining sei eine solche Performance schlicht unmöglich, sagt Christiane Herzhauser, die Leiterin der Kommunikationsabteilung. Vor dem Studio selbst stehen fünf, sechs Stühle für all jene, die ihre Gebote lieber via traditionellem Zuruf abgeben. Solche Gebote werden dann von einem Mitarbeiter am Laptop ins System eingespeist – was aber eher selten vorkommt. Im Netz dagegen zählt das Haus 48.000 registrierte User. Und täglich werden es mehr, rund 150 derzeit. Weltweit sollen sich bald über eine Million Zuschauer in die Auktionen einklinken, achtzig bis hundert Millionen Euro umgesetzt werden.

In der Repräsentanz am Kurfürstendamm sitzt Unternehmenschef Alexander Zacke in seinem Büro vor dem Rechner. Er ist umgeben von Asiatica: chinesischen Porzellanen, japanischen Elfenbeinschnitzereien, tibetischen Buddhas; viele davon Objekte für eine kommende Auktion. "Mir ist es wichtig, mit der Kunst zu leben", sagt er zur Begrüßung. Wer ist der Mann, der den internationalen Kunstmarkt umkrempeln will? In der hauseigenen Broschüre heißt es über Zacke: "Er bewegt sich in den verschwiegenen Lobbys des internationalen Kunsthandels ebenso sicher wie in der Welt des digitalen Handels."

Ab und an ist der gebürtige Wiener doch ins Straucheln geraten. Nach Schule und Lehrzeit im elterlichen Asiatica-Handel arbeitete Zacke bis 1994 für die inzwischen geschlossene Asiatica-Abteilung des Dorotheums. Anschließend versuchte er sich als Versandhändler für Kunst. Das Geschäft lief bis 1997, dann war Schluss: 119 Gläubiger, 34 Millionen Schilling Forderungen.

Unter dem Nickname "muederjoe" machte er nichtsdestotrotz bald schon bei eBay von sich reden, als sogenannter Powerseller, Lobbyist und Dozent an der hauseigenen Akademie.

Dann kam die eigene AG. 2010 in Wien gegründet, war das Geschäftsmodell zunächst ein reiner Händlermarktplatz. Doch der Erfolg blieb aus. Um den Fortbestand des Unternehmens zu sichern, neue Investoren zu gewinnen, entschied man sich dann für eine neue Strategie. Der Plan war nun, nicht mehr als Plattform, sondern als Kommissionär auf fremde Rechnung zu agieren, nicht mehr auf den Handel, sondern auf Privatkundschaft zu fokussieren.

Januar 2012 erfolgte der Relaunch in Berlin, wo man sich "besseren Zugang zu Investoren und qualifizierten Mitarbeitern" erwartete. Am 2. November wurde das neu entwickelte Format im Rahmen einer Charity-Auktion getestet. Eine Serie von neun Versteigerungen zwischen Mai und Juni 2013 war dazu ausersehen, die Akzeptanz verschiedener Objektkategorien zu prüfen. Um anstelle "alter und teilweise minderwertiger Händlerware" hochwertige, frische Stücke beizubringen, richtete man einen kostenlosen "Schätzservice" ein. Soweit der Lagebericht des Vorstands Mitte des Jahres.