Gerd Klenk, 64, ahnte schon früh, dass die Pläne der Ahmadiyya in seinem Viertel für Unruhe sorgen würden. Er leitet den Bürgerverein Gohlis, er hat als Aussiedlerberater gearbeitet und engagiert sich auch im "Netzwerk Integration" seiner Stadt. Klenk weiß aus Erfahrung, dass viele Leipziger nicht so weltoffen und tolerant sind, wie es die Stadt in ihrer Außenwerbung suggeriert. "Viele haben keine Anknüpfungspunkte an fremde Kulturen, geschweige denn den Islam", sagt er. "Die erleben in ihrem direkten Umfeld keinen einzigen Migranten, alle Informationen, die sie haben, stammen aus dritter Quelle." Und es gebe eine große Unachtsamkeit in der Sprache. "Da fallen schnell Begriffe, die rassistisch sind – aber das ist den Leuten häufig gar nicht bewusst. Wenn man diese Leute dann in die rechte Ecke rückt und es ablehnt, mit ihnen zu sprechen, dann treibt man sie in die Arme der NPD."

57 Prozent der Ostdeutschen fühlen sich durch den Islam bedroht, so war es gerade im Religionsmonitor der Bertelsmann-Stiftung zu lesen. Für diese Mehrheit muss ein Weg gefunden werden, wie sie sich mit einer Moschee vor der Haustür arrangieren kann. Dass die Leipziger Stadtverwaltung sich in ihrer Entscheidung zum Bauantrag von den Ressentiments beeinflussen lässt, gilt als ausgeschlossen.

Gerd Klenk sieht es als Aufgabe des Bürgervereins, zwischen Anwohnern und Moschee-Gemeinde zu moderieren. "In die offenen Informationsveranstaltungen holen Sie vor allem die Älteren nicht, die skeptisch oder ängstlich sind. Wenn Sie für die aber Treffen organisieren, bei denen eine überschaubare Zahl von Gohlisern den Ahmadiyya-Leuten Fragen stellen kann, klappt das gut." Daher beantwortet auch Said Arif wieder und wieder dieselben Fragen, nach der Frauenfeindlichkeit des Islam und nach dem Verhältnis zur Gewalt. Der Imam ist als Kind pakistanischstämmiger Eltern in Wiesbaden aufgewachsen. Es verblüfft ihn, wie wenig man in Leipzig über seine Religion weiß. "Etwa wenn ich nach meiner Bibel gefragt werde oder Leute davon ausgehen, wir würden die Scharia einführen wollen. Dann wird mir deutlich, dass die Menschen generell wenig Berührungspunkte zur Religion haben. Das allgemeine Image des Islam trägt nicht dazu bei, dass die Vorurteile schwinden."

Für Unkenntnis und Ängste habe er Verständnis, sagt Arif. Es ärgere ihn, wenn Moschee-Gegner damit argumentieren, die Ahmadiyya-Angehörigen seien keine "echten Muslime", und so einen vermeintlichen Konflikt der Gemeinden untereinander konstruieren: "Mein Eltern sind aus Pakistan geflohen, weil man sie wegen ihrer Religion angegriffen hat. Nach Deutschland sind sie wegen der Religionsfreiheit gegangen."

Die Ahmadiyya-Gemeinde erlebt nicht zum ersten Mal Vorbehalte gegen eines ihrer Projekte. Als sie vor mehr als fünf Jahren eine Moschee in Berlin-Heinersdorf baute, wütete dort eine Bürgerinitiative – mit NPD-Unterstützung – gegen das Vorhaben. "Der Unterschied zu damals ist der, dass wir in Berlin keinerlei Unterstützung hatten und mit dem Rücken zur Wand standen", erinnert sich Abdullah Uwe Wagishauser, Vorsitzender der Ahmadiyya Deutschland, "in Leipzig ist das anders. Hier gibt es einen funktionierenden Diskussionsprozess, man weiß mit der NPD umzugehen. Das begeistert mich."

Irgendwann, glaubt Wagishauser, könnte in Sachsen der gleiche Gewöhnungsprozess einsetzen wie im Ruhrgebiet oder in Berlin. Kleinigkeiten machen ihm Hoffnung: "Über unsere Gebete in der Dreizimmerwohnung", sagt er, "haben sich die Nachbarn noch nie beschwert."