Beginnen wir mit Punkt 3 (sic). In der letzten Kolumne war ich an dem Versprechen gescheitert, "drei Dinge über Männer zu sagen, die ausschließlich nett und lobend sind". Das Versprechen hatte sich als zu groß erwiesen. Es passte nicht in eine einzige Kolumne! Kein Platz mehr für 3, kann man mal sehen. Nun, also – drittens: Männer können sehr großzügig und gewährend sein. Es ist gesagt. Frauen, heult doch. Gebt zu, es stimmt!

Hätte man je einen Mann gesehen, der einen mit diesem Nadelblick beäugt: "Was hat die schon wieder an? Kann die das überhaupt tragen?" Nö. Keinerlei "Aber ich bin doch die Klassenbeste"-Gehabe, mit dem Frauen sich untereinander gerne das Leben kompliziert machen. Von Männerseite her – ruhiges Entgegennehmen selbst der albernsten Extravaganzen. Allerhöchstens mal ein Kompliment über die Abstimmung des Nagellacks (Soft Chinchilla) zum Kaschmirpulli (hellgrau). Nur damit man nicht denkt, sie seien farbenblind. Nichts Anzügliches, bewahre, wir sind ja nicht in den wilden Sechzigern. Leider auch nicht in Frankreich, wo der Kellner, wenn er die Rechnung auf den Tisch schiebt, nachflüstert: "Vous êtes ravissante, Madame." In Deutschland kann es passieren, dass die männliche Fähigkeit zum Kompliment kollabiert, wenn eine Frau sich, wie einer salopp formulierte, in "eine alte Schachtel über 35" verwandelt. Und doch: Männer können die Dinge angenehm verschlichten.

Das lässt sich schon im Kleinkindalter beobachten. Wie spielen Jungen? Kurze Absprache über die Waffen – an die Arbeit. Gerne wortlos. Höchstens: Peng! Aber die Mädels. Sagt die eine: "Du, du gehst dann da jetzt mal rüber, und dann sagst du Plapperplapper, und dann sag ich Diddeldaddeldu, dann musst du dich hierhin setzen, und ich gehe …" Et cetera et cetera. Ein ewiges Herumkommandieren, Anweisen, Ermahnen. Neulich, im Newport, konnte man sehen, wie sich beides später zusammenfügt. Ein Paar, mit ihrer Freundin. Drei Cappuccini. Und unzählige "Und dann sagte ich" und "Da hat sie gesagt" und "Darauf habe ich ihm mal klargemacht ..." Er – im Stand-by-Modus. Blickt freundlich, auf was eigentlich? Erträgt es, dass dem Kellner mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird als ihm. "Noch zwei Cappuccino!" Kein Versuch, sich dem entgegenzuwerfen.

Man könnte es, passend zur Weihnachtszeit, die Josef-Rolle nennen. Es ist die Kehrseite der beschriebenen Neigung zur Großzügigkeit. In Reinform am besten während der samstäglichen Einkaufsorgie zu finden. Männer! Macht bitte die Augen auf. Seht das Paar, da hinten in der Damenabteilung, bei den Hosen. Er steht, wie eine indische Ehefrau, einen halben Schritt hinter ihr. Sie reißt mal hier, mal dort etwas von der Stange, hält es nach hinten. Er murmelt. Ob zustimmend oder abratend – oh, eine ganz gefährliche Entscheidung.

Bei Unger finden sich mittig in der Damenabteilung riesige Sessel, als Männerinsel, darauf halten Männer ihre Zeitungen hoch, als lernten sie buchstabieren. Bei Stuart Weitzman lehnt einer an der Wand und beäugt den Übergang von Decke zur Wand, als sei der architektonisch noch gewagter als die Absätze der Pumps, die seiner Frau spitze Schreie entlocken. Nun, wenigstens muss er nicht Wuffi hüten, wie man es vor vielen Umkleidekabinen sieht.

Unvergesslich ist mir der Typ, der neulich in hübschen Camouflage-Höschen vor einer Parfümerie stand. Man geht rein, erkundigt sich, ob der neue Essie-Nagellack Rubys Profond eingetroffen ist, sucht dieses, sieht jenes, kommt nach einer halben Stunde raus – und unser Held steht immer noch da. Abgestellt. Oder: vergessen? Also: Ich würde mir das nicht gefallen lassen. Ich bin aber auch kein Mann.