Sein Lächeln bleibt. Seine ruhige Würde. Seine Aufmerksamkeit für die Menschen, denen er begegnete, freundlich zugetan und aufrichtig interessiert an ihrem Leben. Er gab Mut und Trost, er forderte Wahrheit und Versöhnung, und er ließ dem Gedanken an Rache keinen Raum. Mit Nelson Mandela wurde Südafrika zu einer Nation, mit ihm begann der ganze afrikanische Kontinent, wieder an sich zu glauben. Der Welt hat Mandela gezeigt, wie friedlicher Wandel gelingt. Er hat einen zivilisatorischen Meilenstein für die Menschheit gesetzt, so wie Mahatma Gandhi und Martin Luther King es getan haben. Wir alle können das Beispiel verstehen, das er gegeben hat. Wir sollten es niemals vergessen.

Die Begegnungen mit ihm haben mich persönlich darin bestärkt, dass die Welt eine allseitige Besinnung darauf braucht, worin die gemeinsamen Interessen der Menschheit bestehen und wie sich an ihnen arbeiten lässt, verbunden durch gemeinsame Ziele, Werte und Regeln.

Anlässlich meines Staatsbesuchs in Mosambik im April 2006 traf ich in Maputo in seinem Privathaus auch Nelson Mandela. Er lebte dort nach zwei Amtsperioden als Präsident von Südafrika mit Graça Machel, die er nach der Trennung von Winnie Mandela geheiratet hatte. Mandela zeigte sich über die Lage in Deutschland gut informiert und drückte seine Hochachtung für unser Land aus. Er wünschte sich aber auch mehr Investitionen der deutschen Wirtschaft in Afrika. Auf meine Frage, wie er die Entwicklung in Südafrika und auf dem afrikanischen Kontinent insgesamt sehe, lautete seine sehr prägnante Antwort: "Die Verfassungen müssen von jedermann respektiert werden." Und dann sprachen wir ausführlich über die Perspektiven der afrikanischen Jugend und die Notwendigkeit, die Bildungsangebote zu verbessern. Er lobte das deutsche Berufsbildungssystem. Am Ende des Gesprächs bestand er darauf, meine Frau und mich persönlich zur Tür zu bringen. Er wusste, dass dort Fotografen auf uns warteten.

Zum ersten Mal begegnet war ich Nelson Mandela bei seinem Regierungsbesuch in Bonn im Jahr 1996. Er warb geradezu unwiderstehlich für sein Land und dafür, dort zu investieren. Aber schon Jahrzehnte vor dieser ersten Begegnung war er für mich kein Fremder mehr. In seinem Schicksal als Gefangener auf Robben Island verdichtete sich, was an dem Apartheid-Regime ungerecht, brutal und abstoßend war. "Free Nelson Mandela!", verlangte darum eine der ersten weltweiten Bürgerbewegungen aller Zeiten. Von einer Weltöffentlichkeit zu reden ist leicht, damals jedoch, mit Blick auf Mandela, war sie unbestreitbare, fordernde Wirklichkeit (auch "mit Blick auf" sagt sich leicht, dabei gab es zu jener Zeit keine aktuellen Fotos von ihm, und noch das Titelbild der Zeitschrift Time vom 5. Februar 1990, gezeichnet von Paul Davis, konnte nur eine künstlerische Vermutung darüber anbieten, wie er nach 27 Jahren Haft wohl aussehen mochte). "Lasst Mandela frei!" – die Forderung war konkret, sie galt einem Einzelnen, und sie war zugleich symbolisch, weil seine Freilassung das staatliche Eingeständnis systematischen Unrechts bedeutete.

Mandela konnte zornig sein, verletzend, uneinsichtig

Gegen dieses systematische Unrecht an Millionen seiner Landsleute hatte Nelson Mandela Widerstand geleistet, zuerst gewaltlos, aber später, als die Gewaltlosen nur immer weiter niedergestoßen, gedemütigt, verwundet und getötet wurden, auch mit der Bereitschaft zu gewaltsamen Anschlägen, die das Unrechtssystem wirtschaftlich schwächen und zum Einlenken zwingen sollten. Dabei hatte er immer klargemacht, selbst als von der Todesstrafe bedrohter Angeklagter: Er und seine Mitstreiter wollten nicht das eine Unrecht durch ein anderes ersetzen, nicht die Unterdrückung der Schwarzen durch die der Weißen, sondern Südafrika sollte endlich werden, was seine Bestimmung ist – Heimat und Hort der Gleichberechtigung für alle dort lebenden Menschen, gleich welcher Hautfarbe, gleich welchen Glaubens.

Nelson Mandela war kein Heiliger. Wer ist das schon? Er konnte zornig sein, verletzend, uneinsichtig. Wer kann sich schon die Folgen von fast dreißig Jahren Gefängnis vorstellen, von fast drei Jahrzehnten Getrenntsein von der Familie, des Tods der Mutter und des Erstgeborenen, der quälenden Sorge um Frau und Kinder? Es hätte ein gebrochener Mann sein können, der da am 11. Februar 1990 das Gefängnis verließ, ein verbitterter, ein von Rachsucht erfüllter Mann.

Aber das Volk von Südafrika erhielt stattdessen einen guten Hirten. Es gelang Nelson Mandela, den Hass zwischen den Rassen und Volksgruppen zu besänftigen und ihnen die Furcht voreinander zu nehmen. Es gelang ihm, Hoffnung zu verbreiten. Den einen gab er die Hoffnung auf bessere Zeiten und den anderen die Hoffnung, das Ende der Apartheid werde für sie nicht Unsicherheit, Vertreibung und Heimatlosigkeit bedeuten. Es gelang ihm, Täter und Opfer Auge in Auge einander gegenüberzustellen, um die Verbrechen beim Namen zu nennen und zu sagen: "Ja, das hast du getan, aber so bist du nicht." Das ist das Wesen von Vergebung und Versöhnung.