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Es sind gerade einmal zwei Monate vergangen, seit EU-Kommissionspräsident Manuel Barroso vor den Särgen der ertrunkenen Flüchtlinge auf der italienischen Mittelmeerinsel Lampedusa stand, ehrlich verzweifelt und hilflos in dieser Leichenhalle. Barroso sagte, er werde diese Särge sein Lebtag nicht vergessen.

Nun ist die Realpolitik wieder zurückgekehrt nach Brüssel, jetzt gibt es andere Bilder. Sie zeigen drei lächelnde Politiker: die EU-Kommissare Cecilia Malmström, zuständig für Innenpolitik, und Štefan Füle, zuständig für Erweiterung, mit dem türkischen Außenminister Ahmet Davutoğlu in ihrer Mitte. Sie haben sich gerade geeinigt: Die Türken nehmen die Flüchtlinge zurück, die über ihr Land in die EU kommen (die meisten nehmen diese Route) – und die Europäer lockern dafür die Visumspflicht für Türken. Die EU will damit ihre offene Flanke im Osten schließen. Der Deal: Die Türken sollen es leichter haben, es dafür aber anderen schwerer machen.