1. Warum hatte man von der Welthandelsorganisation (WTO) so lange nichts gehört?

Der Club der erfolglosen Verhandler: Über Jahre war die WTO genau das. Eigentlich soll die UN-Organisation den globalen Handel fördern. Dafür organisiert sie in sogenannten "Runden" Gespräche zwischen allen Mitgliedsstaaten. Doch in den vergangenen Jahren kam sie einfach nicht weiter. Zwar hatten sich ihre Mitglieder 2001, beim Start der sogenannten Doha-Runde, gegenseitig versprochen, Handelsbarrieren abzubauen, unfairen Wettbewerb zu reduzieren und den ärmsten Ländern leichteren Zugang zu ihren Märkten zu verschaffen. Doch in der Praxis klappte nichts.

Weder die Botschafter, die in Genf regelmäßig für ihre 159 Regierungen verhandelten, noch die Minister, die sich immer mal wieder zu Gipfeln in aller Welt trafen, kamen weiter. Die USA und Europa wollten ihre Agrarsubventionen nicht reduzieren. Und die Schwellenländer ihre Märkte nicht öffnen. Erfolg hatten nur die Demonstranten, die fast jede Konferenz zu einem Happening gegen die Globalisierung machten. Schließlich glaubte kaum noch jemand an einen Durchbruch. Bei der Konferenz in Bali gab es deswegen auch kaum noch Protestler und nur wenige Beobachter.

Das könnte sich künftig wieder ändern. Denn eines ist sicher: Geschlossen wird dieser Club sobald nicht.

2. Was wurde von den Teilnehmern der jüngsten Runde auf Bali eigentlich beschlossen?

Der größte Erfolg der Konferenz ist, dass sich die WTO-Mitglieder überhaupt auf etwas geeinigt haben. Sie haben so bewiesen, dass Multilateralismus, also internationale Verhandlungen aller mit allen, doch funktionieren kann. Das ist besonders wichtig für die armen Länder. Denn ihre Interessen werden so ein wenig mehr berücksichtigt. Bei bilateralen Abkommen sind sie oft einem mächtigen Verhandlungspartner ausgeliefert.

Gemessen an den großen Vorhaben, ist der Erfolg der Konferenz allerdings ein Scheinriese. Von den vielen Aufgaben, die sich die Regierungen einst gestellt hatten, haben sie in Bali nur einen kleinen Teil geschafft. Weder müssen die USA, die EU-Staaten und andere reiche Länder ihre Agrarsubventionen massiv abbauen noch die entwicklungspolitisch besonders schädlichen Exportsubventionen für Nahrungsmittel sofort einschränken. Über all das soll weiter verhandelt werden.

Immerhin einigte man sich aber darauf, es Unternehmern aus armen Ländern zu erleichtern, in die Märkte der Reichen zu exportieren. Das klingt banal, ist aber für den Baumwollbauern aus Mali oder den nepalesischen Lederproduzenten extrem wichtig. Denn so steigen ihre Chancen, von der eigenen Arbeit besser leben zu können.

3. Warum wurde die WTO-Konferenz in Bali zum Erfolg, und wer gab dort den Ton an?

Mit vielen Regierungen gleichzeitig über Handelserleichterungen zu verhandeln, ist kompliziert. Denn einem WTO-Vertrag müssen nicht nur alle Mitglieder der Organisation zustimmen. Es entscheiden auch oft genug die, die am wenigsten zu Kompromissen bereit sind. Oder die, die sich eine Blockade leisten können, also die besonders Mächtigen, Reichen oder Verzweifelten.

In Bali gehörten dazu erst die Kubaner. Sie forderten, dass die WTO das US-Embargo gegen ihr Land zum Thema macht. Am Ende ließen sie sich aber mit einer Floskel im Vertrag abspeisen. Härter war danach die Auseinandersetzung zwischen Indien und den USA. Die brasilianische Tageszeitung Folha de S. Paulo berichtet aus dem Umfeld des WTO-Chefs Roberto Carvalho de Azevêdo, dass es am Ende nur noch vier wichtige Verhandler in Bali gegeben habe: Azevêdo selbst, den indonesischen Wirtschaftsminister und Gastgeber Gita Wirjawan sowie zwei erbitterte Streithähne – den indischen Wirtschaftsminister Anand Sharma und den US-Handelsrepräsentanten Michael Froman. Letztere rangen heftig um ein Programm, mit dem der indische Staat Lebensmittel von seinen Bauern kauft, um sie an die Armen zu verteilen. Die Vereinigten Staaten fanden, dass das den Handel verzerre.

Schwierig war dieser Konflikt, weil es um ein symbolträchtiges Thema geht. Aus der Sicht vieler Inder will hier ein reiches Land einem armen die Ernährung der Bürger erschweren – zugunsten seiner eigenen, hoch subventionierten Agrarlobby. Doch weil auch Indien seine Überschüsse mittlerweile auf die Märkte der Nachbarn wirft, stand es am Ende mit dieser Haltung ziemlich allein da. So konnte der Gastgeber beide Seiten mit einem Kompromiss locken: Indien darf das Programm zunächst behalten, aber nicht ausbauen.