In der Weltraumfahrt geht es immer ums Prestige. Neben Pioniergeist und Wissbegierde, von denen man genauso annehmen darf, dass sie zu den Motiven zählen. Denn wer wollte behaupten, dass Europäer und Japaner, wenn sie Sonden und Missionen planen, damit nicht auch herausfinden wollen: Können wir das? Was benötigen wir dafür?

Und als die Amerikaner nach dem Sputnik-Schock, als Reaktion auf den ersten Satelliten der Sowjets im All, das Apollo-Programm für die erste Mondlandung eines Menschen auflegten, war dieses größte Investitionsprogramm zu Friedenszeiten etwa reiner Chauvinismus? Mitnichten, es war Industriepolitik, es war Technologieförderung, es war eine gezielte Spritze in Forschung und Entwicklung – deren Wirkung weit über die Rüstungs- und Raumfahrtbranche hinaus wirkte. Nie wäre das ohne den Appell an die nationale Aufgabe möglich gewesen, aber ebenso wenig nur damit. Denn Raumfahrt ist nie nur, sondern immer auch Prestige. Das können wir seit den 1960er Jahren beobachten.

Nun aber, da die Volksrepublik China ihr erstes Mondmobil erfolgreich platziert und in Betrieb genommen hat, wird Pekings Mondprogramm wohlfeil als reines Prestigeprojekt abgetan. So hat die Berichterstattung über den erfolgreichen Flug der Fähre Mondfee mit dem Roboter Jadehase (Yu-tu) an Bord einen unangenehmen Beigeschmack. Neben "Prestige" fielen häufig die Wörter "Partei" und "Nationalstolz", dazu "Staatsfernsehen" und "Propaganda". Ja, China ist ein autoritärer Staat. Ja, die Medien dort sind unfrei. Das ist aber weder neu noch überraschend.

Eine Mondlandung mit Rover zu bewerkstelligen, das ist beeindruckend. Unabhängig von der Weltgegend, in der die Startrampe steht. Unabhängig davon, ob dies vorher bereits zwei Nationen geglückt ist. Aktuell vollzieht China eine technologische Entwicklung nach, die Amerikaner und Sowjets lange zuvor begonnen haben. Das ist bisher vielleicht wenig innovativ, aber der Aufholprozess zeigt ein beachtliches Tempo.

Und lassen wir uns nicht von Plüschtiernamen für Mondroboter, von nach Fabelwesen benannten Raumschiffen täuschen: Hinter dem Kitsch steht Technologiepolitik – auch im Kontext eines ehrgeizigen militärischen Programms. Bald schon soll eine chinesische Mondsonde Bodenproben zur Erde zurückbringen. Im nächsten Jahrzehnt sollen chinesische Astronauten (korrekter: Taikonauten) eine Basis auf dem Erdtrabanten beziehen, die als Zwischenhaltestelle auf dem Weg zum Mars dienen könnte. Auch Indien hat ernsthafte Pläne, Raumfahrer (in diesem Fall: Wiomanauten) ins All zu bringen.

China und Indien werden nicht die letzten Neuzugänge im Club der Raumfahrtnationen bleiben. Hier zeigt sich eine neue Konkurrenz aufstrebender wirtschaftlicher und militärischer Mächte.

Es ist vielleicht gerade die Angst vor ihr, die das Vokabular des längst erledigt geglaubten space race wiederbelebt.