Endlich. In Wien ist eine neue Regierung angelobt worden, und warum dieser Staatsakt kraft Verfassung unsinnigerweise noch immer dem Bundespräsidenten und nicht dem, der tatsächlich das Sagen hat, vorbehalten ist, weiß niemand zu sagen. Statt so eines legeren Spazierganges quer über den Ballhausplatz wäre doch eine mehrtägige Bittprozession zum Angelobungsschrein nach St. Pröllten (vormals: St. Pölten) wesentlich telegener. Leider wird erst die nächste Regierung die Möglichkeit zu solch einem schönen Ausflug in das niederösterreichische Flachland erhalten, wenn in der Person des geliebten Onkel Erwins das Rituelle wieder mit dem Realen der Demokratie in Einklang gebracht worden ist. Dennoch ist schon heute der neue Stil, der im Land herrscht, weder überseh- noch überhörbar. Man ist geradezu versucht, einen großen Jubilar, der gerade gewürdigt wird, zu paraphrasieren: Jawohl, wir wollen mehr neuen Stil wagen! Und worin könnte der bestehen? Beispielsweise in der überaus kaltschnäuzigen Selbstgefälligkeit, mit der man den Wissenschaftsminister ruck, zuck über die Klinge springen ließ und sein doofes Akademiker-Ressort nonchalant dem Wirtschaftsministerium einverleibte. Da zeigt sich, welch Geistes Kind doch solch eine Regierung sein kann, wenn sie erst einmal dem Motto huldigt: Probieren geht über Studieren. Jetzt wird sich zeigen, was alles starker Hände Arbeit zu schaffen in der Lage ist und wie wenig von des Gedankens Blässe angekränkelte Hirne beizusteuern wissen zu diesem Österreich, das wahrlich nicht neu erfunden, lediglich neu gestylt werden muss. Und ist es nicht auch neuer Stil, wenn eine so tief im Katholischen verankerte Partei sich der mephistophelischen Logik nicht mehr verschließen will, die da lautet: Grau ist alle Theorie und grün des Lebens goldener Baum. Außerdem hallt ein historisches Echo wieder. "Arbeit’s wos!", pflegte man vorlauten Studenten vorzuhalten, wenn sie wieder mal Forderungen aufstellten. Jetzt sind sie endlich im richtigen Ministerium verräumt worden.