Dieses Jahr zeigte die Galeristin Bärbel Grässlin Werke von Günther Förg auf der Kunstmesse Art Basel Miami Beach. Am Tag nach der Eröffnung der Messe, dem 5. Dezember, starb der Künstler – an seinem 61. Geburtstag. So wurde die Ausstellung für die Frankfurter Galeristin, die schon lange mit Förg befreundet war, auch eine traurige Gedenkveranstaltung. Neben flächiger Malerei hing dort auf orangefarbenem Grund das Foto Untitled aus dem Jahr 1984, ein Unikat wie alle Fotos von Günther Förg. Es sollte 80.000 Euro kosten, aber nach der Todesnachricht wollte Bärbel Grässlin nichts mehr verkaufen, das wäre ihr falsch vorgekommen.

Es ist eine große Fotografie, mit 186 Zentimetern Höhe ungefähr so groß wie ein Mensch. Abgebildet sind darauf eigentlich nur zwei Füße. Nackte, ungeschminkte Extremitäten. Der Nagellack ist längst herausgewachsen, es sind sympathische Füße, natürlich und unverkrampft. Sie gehören einer anderen Galeristin, der Kölnerin Brigitte Schenk. Sie kann sich noch gut an die Zeit erinnern, erzählt sie am Telefon: "Wir haben viele Fotos gemacht und dabei experimentiert, Porträts, Akte à la Man Ray." Der Ort war die Bismarckstraße 50 in Köln, damals die Niederlassung der Dia Art Foundation, für die sie arbeitete. Später hat Gerhard Richter diese Räume übernommen, sie dienen ihm heute noch als Atelier.

Günther Förg und Brigitte Schenk haben an diesem Tag im Jahr 1984 ein Leintuch auf dem Boden ausgebreitet, um dann speziell die Füße zu fotografieren. "Wer interessiert sich schon für Füße?", fragt sie. "Füße werden vernachlässigt." Sie hat auf dem Boden gesessen und die Beine angewinkelt. Der Künstler hat so viel weißen leeren Raum unterhalb ihrer Füße fotografiert, dass das Bild, wenn es an der Wand hängt, wirkt, als würde dort ein Engel schweben, oder als handle es sich um die Himmelfahrt Mariä. Das Motiv hat eine rätselhafte Leichtigkeit, es wirkt transzendental. Und hat dadurch etwas sehr Tröstliches.