Was haben Gina-Lisa Lohfink, David Beckham, Naomi Campbell, Boris Becker, Justin Bieber und Justin Timberlake gemeinsam? Sie alle haben Nelson Mandela einen Nachruf hinterhergetwittert oder diesen auf Facebook gepostet. Uncool! Geht gar nicht! Spam! Sagen die, deren Facebook-Seiten sich jetzt (wie schon neulich nach dem Tod von Lou Reed) wieder mit Rest in peace-Meldungen füllen.

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Ein Geständnis: Auch wir von der Gesellschaftskritik hatten kurz den Impuls, uns dem allgemeinen Mediengewitter über Nelson Mandela anzuschließen. Wir haben diesem Impuls dann aber widerstanden, aus demselben Grund, aus dem wir auch keine Fotos von Katzenbabys in Kaffeetassen oder von heimatlosen Hunden posten: zu peinlich. Aber wir haben uns auch gefragt, was genau eigentlich peinlich daran sein soll, öffentlich an den Tod eines Mannes zu erinnern, der sein Leben seinen Idealen gewidmet hat (während die meisten von uns für ihre Ideale noch nicht mal eine Gehaltseinbuße in Kauf nehmen würden). Vielleicht ist es genau das. Irgendwie scheinen David Beckham und Gina-Lisa Lohfink und wie sie alle heißen, mit ihren Nachrufen anzudeuten, dass die Eigenschaften, für die der Name Nelson Mandela steht, auch in ihnen schlummern. Und in dieser Kluft zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung gedeiht die Peinlichkeit so gut.