Datenhandel ist toll

Dirk Jehmlich hat kein Problem damit, Konsumenten im Internet zu beobachten

Als Trend-Direktor bei einer Strategieagentur beschäftige ich mich unter anderem mit der Nutzung von Kundendaten. Manchmal frage ich mich, warum Kunden nicht einfach damit anfangen, selbst am Handel mit ihren Daten zu verdienen? Schließlich sind Daten Geld wert. Wenn wir zum Beispiel als Kunden durchs Internet surfen, erfassen Datenhändler, für welche Schuhe wir uns interessieren, welche Nachrichten wir lesen und in welcher Stadt wir leben. Diese Informationen verkaufen sie dann weiter – etwa an Online-Schuhhändler, die uns passende Werbung zeigen.

Zusammen mit den Studenten der Miami Ad School aus Berlin haben wir durchgespielt, ob es tatsächlich funktionieren würde, dass Kunden ihre Daten verkaufen. Ergebnis: Daten, die nicht heimlich gesammelt, sondern von Kunden bewusst preisgegeben werden, sind wertvoller als andere, weil sie genauer sind. Online-Shops und Handelshäuser würden diese Daten gerne kaufen, und vielleicht würden pro Kunden monatlich an die 30 Euro dabei herausspringen. Bislang fragen sich viele Händler ja: "Wie komme ich an die Daten der Kunden?" Das ist womöglich ein Fehler. Sie sollten sich lieber fragen: "Was hat der Kunde davon, wenn er mir seine Daten gibt?"

Ich finde es toll, ein auf mich zugeschnittenes Werbe-Angebot für gute Laufschuhe zu erhalten, wenn ich gerade mit dem Joggen anfangen will. Personalisierte Werbung ist ohnehin ein Trend: Wenn ich künftig etwa die Geburt meiner Tochter auf Facebook poste, wird die Internetseite eines Onlinesenders das registrieren und den Werbeplatz für den nächsten Werbeblock der Sendung versteigern. Die Seite kommuniziert dann vorher ins Internet: "Hey, hier sitzt ein junger Vater, der vielleicht Interesse an einem Familienauto hat – wer bietet am meisten?" Der Werbeplatz lässt sich so vom Sender viel besser vermarkten. Der Autohändler hat eine bessere Chance, dass ich sein Auto kaufe. Und ich bekomme nicht die Werbung für einen Sportwagen zu sehen, den ich mir als junger Familienvater eh nicht leisten kann.

Die Kritiker sagen, solche Prozesse entmündigten die Konsumenten – und die Gefahr besteht natürlich. Aber nur, wenn ich mir als Kunde nicht bewusst bin, welche Daten ich preisgebe. Viele Bedenken über Datenanalyse im Internet sind ohnehin ein Problem der älteren Generation. Laut Umfragen ist ein Großteil der Deutschen bereit, seine Daten preiszugeben, wenn damit sorgfältig umgegangen wird und ein Mehrwert entsteht. Die meisten fühlen sich also von Unternehmen offenbar nicht bedroht. Das liegt wohl auch daran, dass die meisten sich – im Gegensatz zum US-Geheimdienst NSA – an die geltenden Gesetze halten.

Aufgezeichnet von Caspar Tobias Schlenk