Bevor Monika Grütters am vergangenen Sonntag als Staatsministerin für Kultur und Medien nominiert wurde, eilte ihr der Ruf einer gewissen Ungeduld voraus. Ihr Vorgänger Bernd Neumann jedenfalls pflegte sie in seinen letzten Reden mit visionären Bemerkungen über eine weitere Amtszeit zu necken. Grütters ist ein Gewächs der Berliner CDU, eines besonderen Biotops – nicht unbedingt der Humus, aus dem die bundespolitisch erste Riege der Union wächst. Mit Klaus-Rüdiger Landowsky, einem Mann, der die Hauptstadt mithilfe seiner Bankgesellschaft um viele Millionen Euro erleichterte, arbeitete sie als Fraktionsvize eng zusammen ("meene kleene Sonne"), gleichwohl stand gerade Monika Grütters in jener Zeit für eine integre, liberale CDU in Berlin.

Vielleicht wurde sie deswegen nie Senatorin. Denn kulturpolitisch ist sie die ewig Berufene, aber nie Auserwählte. Als beispielsweise Friedbert Pflüger 2006 in Berlin Regierender Bürgermeister werden wollte, hätte er der Fachfrau die Schlagersängerin Vicky Leandros vorgezogen.

Wenn die eigene Partei so ist, gehört Ungeduld noch zu den sublimeren Formen der Reaktionsbildung. Im Bundestag erwarb sich Grütters als Vorsitzende des Kulturausschusses seither einen hervorragenden Ruf. Es gibt keinen in diesem Metier, der ihr die Qualifikation für das Staatsministeramt absprechen würde.

Dieses Amt ist inzwischen integraler Bestandteil der Bundespolitik. Keine Partei möchte mehr darauf verzichten. Und nachdem der Schwabinger Kunstfund auf der ersten Seite der New York Times verhandelt wurde und heftige internationale Reaktionen ausgelöst hat, ist sichtbar, dass Kultur keineswegs ein Nischenphänomen ist. Die veränderte Lebenswirklichkeit wird auch das Amt in den nächsten Jahren verändern. Vor dem Hintergrund der Digitalisierung kann die Pflege der Denkmals- und Museumslandschaft nur noch ein Teil der Aufgabe sein.

Kultur wird beim Wiederaufstieg der Kommunen und des Kommunalen eine große Rolle spielen und die "Kreativwirtschaft" noch mehr Aufmerksamkeit und Mittel beanspruchen als bisher. Urheberrecht, Künstlersozialkasse, EU-Freihandelsabkommen, alle diese Aufgaben verschieben den Schwerpunkt des Amtes weg vom Kulturellen im engeren Sinn, hin zur Verantwortung für gute Rahmenbedingungen eines ökonomisch und politisch immer wichtiger werdenden Teilbereichs der Gesellschaft.

Monika Grütters wird also auch einen erkennbaren Kern des Amtes konservieren, auf ganz neue Weise seine Unverzichtbarkeit demonstrieren müssen.