Wen die neunundneunzigste Ludwig-Kirchner-Retrospektive nicht mehr recht hinterm Ofen hervorlocken kann, der freut sich, wenn er etwas Neues entdecken darf.

In Konstanz zum Beispiel, wo gerade eine Ausstellung öffnete, die anschließend in Frankfurt am Main und Karlsruhe zu sehen sein wird: Die andere Moderne. Sie richtet, inspiriert von der Zeitschrift Die Rheinlande (1900 bis 1922), den Blick auf eine Kunst, die es vermied, radikal mit der Tradition zu brechen, und ihre Herkunft aus Impressionismus und Symbolismus nicht verleugnet.

Ferdinand Hodler und Thomas Manns Lieblingsmaler Ludwig von Hofmann gehören dazu, Adolf Hölzel und der Radierer Heinrich Reifferscheid – aber auch Künstler wie der wunderbare Walter Ophey oder Cuno Amiet, die Teil der internationalen Avantgarde wurden. Verbunden sind sie alle durch den Strom, von der Schweiz bis zum Meer: So wird die Schau auch zu einer Rheinreise, voller Überraschungen und neuer Farben.