Gleich zwei Spitznamen hatte ihm das Publikum verpasst. Die bezogen sich auf sein Aussehen, schienen aber auch gut zu seinem Charakter zu passen. Solange er sich auf dem Höhenflug befand, attestierte man ihm Star-Appeal, Tapferkeit und ein Kämpferherz. Zu spät erkannten viele, dass dies nur die eine Seite der Medaille war. Dass es noch eine Parallelwelt gab, in der er sich bewegte unter seinesgleichen. Der Absturz, der sich daraus ergab, war bitter und brutal. Manchen Rückschlag hatte er zuvor gemeistert und damit viele Leute begeistert. Doch nun hatte er eine Grenzlinie überschritten, fand den Weg zurück nicht mehr. Nahezu alles schien ihm zum Schluss abhandengekommen zu sein – Fans und Freunde, seine Lebensgefährtin und die Lust auf Party, für die er in seiner Heimat bekannt war ("Er ließ es nicht nur im Winter krachen", erzählte ein Kollege).

Und so kämpfte er wohl letztlich nur noch gegen sich selbst. Bis er das Spiel mit den düsteren Unbekannten endgültig verlor; ein gefallener Held in einem Drama, das an Shakespeare erinnert, so ausweglos erscheint es im Rückblick. Hätte irgendwer die Abwärtsspirale stoppen können? Sie hätten es versucht, ihn aber längst nicht mehr erreicht, erzählten jene, die ihn von klein auf kannten. Wer stets als Alleinkämpfer auftritt, lässt sich halt ungern helfen. Auch hieß es, dass er sich längst abgekapselt habe: "Seine Fröhlichkeit war dahin. Er verschloss sich, wirkte unsicher und misstrauisch." Tatsächlich scheute er immer mehr das Rampenlicht, das er zuvor doch so geliebt hatte. Es wurde ja auch nicht leichter für ihn. Die Angst vor Verfolgung, unter der er litt, hatte reale Ursachen.

Wenn ein Kind vor Vater und Mutter stirbt, ist das immer eine Tragödie für die Eltern. Ein Schmerz, der vielleicht nie mehr weichen wird. Eigentlich, so sagte sein Vater mal in einem Interview, habe sein Sohn ja schon fünf lange Jahre im Sterben gelegen. Und seine Mutter glaubt bis heute, dass es einen unbekannten Mörder gibt, der noch irgendwo frei rumläuft: "Meine Lebensaufgabe wird es sein, (das) zu beweisen. (...) Ich lasse ihn nicht allein." Wer war’s?

Lösung aus Nr. 51:

Federico Fellini (1920 bis 1973) begann seine Karriere in Cinecittà als Drehbuchschreiber, u. a. für Roberto Rossellini, erst zehn Jahre später führte er zum ersten Mal Regie. Der Begriff "fellinesk" verweist auf seine Vorliebe für Schrilles und Groteskes