Wiener Schnitzel mit Bratkartoffeln, dazu eine Flasche Weißwein, das war die Henkersmahlzeit des "Vampirs von Düsseldorf", des Serienmörders Peter Kürten, am Abend des 1. Juli 1931. Sie schmeckte ihm so gut, dass er sie gleich noch ein zweites Mal bestellte. Das Publikum nahm die Nachricht mit schauderndem Behagen auf.

Merkwürdige Sitte, dem zum Tode Verurteilten ein letztes Mahl seiner Wahl zu servieren. Sie findet sich schon in der europäischen Antike, auch in der Geschichte anderer Kontinente und heute noch immer in Amerika – aber warum?

Die wissenschaftliche Literatur dazu besteht aus genau einer Monografie, erschienen 1958. Ihr Autor, Hans von Hentig, lässt sich über den kulturellen Sinn der Henkersmahlzeit leider nur sparsam aus. Immerhin klingt seine Theorie plausibel: Der Verurteilte solle sich symbolisch mit der strafenden Gesellschaft versöhnen, anstatt sie zu verfluchen. Das komme noch aus einer Zeit, in der die Menschen sich vor Flüchen fürchteten und Fehden mit einem Essen beendet wurden, schreibt von Hentig.

Sein Werk belegt die beeindruckenden Mengen, die manche armen Sünder am Vorabend ihrer Hinrichtung vertilgten, und zwar stets von dem, was jeweils als gut galt. Im Mittelalter konnte das gebackener Fisch sein, eine fette Gans oder auch ein Huhn, außerdem Lebkuchen und Zuckerwerk, doch die Konstante ist Rindfleisch, über Jahrhunderte hinweg. Ende Januar 1920 zum Beispiel orderte der in Sing-Sing wegen Mordes einsitzende Bankräuber Gordon Fawcett Hamby Hummersalat, Rumpsteak und Erdbeeren, hinterher einen Mokka. Als er danach zum elektrischen Stuhl geführt wurde, meinte Hamby: "Ich muss mir wenigstens keine Gedanken um das schwere Essen machen."

Andere Verurteilte dagegen wollten nur Tabak. Hugo Schenk beispielsweise, ein österreichischer Hochstapler und Dienstmädchenmörder, rauchte in den letzten zehn Stunden vor seiner Hinrichtung 30 schwere Zigarren, das war im April 1884.

Eine Henkersmahlzeit darf ungesund sein. Das gilt bis heute, was eine empirische Untersuchung von 247 in den USA servierten letzten Speisen bezeugt. Erschienen ist sie, die einzige ihrer Art übrigens, 2012 in der Fachzeitschrift Appetite. Der Autor Brian Wansink kommt zu dem Ergebnis, dass die durchschnittliche Henkersmahlzeit kalorienreich sei (2.756 Kilokalorien), außerdem gehörten typischerweise Fleisch, Pommes und Softdrinks dazu.

Alkohol ist in der Todeszelle nicht erlaubt. Die französische Tradition sah wenigstens ein letztes Glas Rum vor. Es sollte beruhigen. In früheren Zeiten wurde da großzügiger ausgeschenkt, zumindest in Europa; mittelalterlichen Quellen zufolge gab es Wein und Bier kannenweise und immer noch mehr, bis mancher Delinquent seinem Henker im Delirium begegnete.