Was ist eine Familie? Und ab wann ist sie heilig? Das war die gesellschaftspolitische Frage dieses Jahres, die wie alle großen Daseinsfragen unbeantwortet bleiben musste, auch dank der Uneinigkeit der beiden großen Kirchen. Maria, Joseph und das Jesuskind: So einfach war es vielleicht vor 2.000 Jahren – wobei die Rolle des Heiligen Geistes bei der Zeugung schon immer, nun ja, wundersam war. Und so herrscht bis heute Streit darüber, welche Ansammlung von Menschen Familie heißen darf.

Die deutschen Protestanten haben darauf eine einfache Antwort. Sie finden, das entscheidende Kriterium sei die Liebe. Wenn das christliche Grundgebot erfüllt sei, dürfe auch ein alleinerziehendes Elternteil nebst Nachwuchs als Familie gelten, sei die Patchworkvariante akzeptabel und die gleichgeschlechtliche Partnerschaft so viel wert wie die Ehe. Das steht im "Familienpapier" der Evangelischen Kirche in Deutschland.

Die Katholiken halten dagegen, die Ehe sei ein Sakrament. Ansonsten sind sie uneins. Dürfen Geschiedene zur Kommunion? Ist es eine Ehe, wenn Geschiedene wieder heiraten? Worauf man sich nicht einigen kann, soll die Marktforschung klären: Also verschickte der Vatikan einen Umfragebogen an alle Bistümer der Welt. Wie haltet ihr es mit der Liebe, Ehe, Sexualmoral? Die Antworten sind noch nicht in Rom eingegangen, schon gibt es neuen Streit. Denn die deutschen Laienverbände fordern, dass ihre Bischöfe ihnen die Ergebnisse vorher mitteilen. Die Laien argwöhnen wohl, die Bischöfe hätten die Fragebögen nach Gutdünken selbst ausgefüllt.

Ja, der Wunsch nach Transparenz ist aller Ehren wert. Aber wir sind vom familiären Hickhack nun doch erschöpft. Nächstes Jahr wollen wir die Sache wieder ernst nehmen, denn die Fragen des Zusammenlebens sind Grundsatzfragen, letztlich geht es darum: Was ist der Mensch? Momentan jedoch neigen wir dazu, einfach den Kommunisten Bertolt Brecht zu zitieren, der sagte, der Mensch sei halt ein Mensch. Wir sagen: Familie ist halt Familie. Momentan würden wir aus purem Harmoniebedürfnis beinahe jedes Mitglied akzeptieren, nicht nur Vatermutterkind aus der Weihnachtsgeschichte, nicht nur die Heiligen Drei Könige, sondern auch die Hirten, wenn nicht sogar Ochs und Esel aus dem Stall.

Apropos. Mal sehen, wer sich in diesem Jahr so alles um die Krippe gruppiert, die traditionell auf dem Petersplatz in Rom aufgebaut wird. Wird die Heilige Familie so groß sein wie immer? Oder wurden ein paar Familienmitglieder eingespart? Das römisch-katholische Krippenensemble kostet in diesem Jahr nur etwa 20.000 Euro, in den Jahren zuvor waren es jeweils etwa 500.000 Euro. Papst Franziskus braucht das Geld jetzt für die Armen. Wir wollten ihn hier eigentlich nicht erwähnen. Aber was sollen wir tun, wenn er dauernd Nachrichten produziert? Manche Protestanten sind darüber schon richtig sauer. Sie sagen, wir sollten doch auch mal über ihre Kirche schreiben. Die Kollegen von der Welt haben das jetzt übrigens getan, aber es hat gar nichts gebracht. Sie interviewten die neue Präses der Evangelischen Kirche Irmgard Schwaetzer. Und worüber sprach sie? Es tut uns wirklich leid, aber: über den Papst.

Da hilft nur eines, liebe evangelische Christen: Vergesst das konfessionalistische Kleinklein, und akzeptiert den Papst als interessanten Verwandten. Ihr müsst seine Ansichten ja nicht teilen.