DIE ZEIT: Herr Sobbeck, Ihr Job ist derzeit einer der heikelsten in der ganzen Republik. Wie gehen Sie ins neue Jahr?

Gordon Sobbeck: Ich empfinde meine Arbeit als herausfordernd, nicht heikel. Ich bin frohen Mutes.

ZEIT: Wie das? Nichts hat die katholische Kirche Deutschlands 2013 mehr erschüttert als der Finanzskandal in Ihrem Bistum.

Sobbeck: Ja, aber im Bistum wurden die richtigen Lehren aus den Vorfällen gezogen. Als ich im April 2012 mein Amt antrat, fand ich eine Struktur vor, die schon überraschte. Ich war nun Dezernent für Finanzen, Verwaltung und Bau, mit rund 180 Mitarbeitern, doch die Baumaßnahmen auf dem Domberg wurden finanziell wie administrativ separat über den Bischöflichen Stuhl abgewickelt. Planung, Finanzierung und Abrechnung liefen getrennt vom normalen Verwaltungsapparat. Auch meine Vollmachten bezogen sich nicht auf den Bischöflichen Stuhl.

ZEIT: Obwohl Sie der Mann für die Zahlen sind?

Sobbeck: Ja. Es mag auch verwundern, dass etwa der Diözesanbaumeister, der ein Abteilungsleiter meines Dezernats ist, für eine einzelne Baumaßnahme allein dem Bischof und dem Generalvikar berichtete und ihm dabei Verschwiegenheit auferlegt wurde. Diese Intransparenz und Dezentralisierung gehörten sicherlich zu mehreren Bausteinen, die zum bekannten Ergebnis geführt haben.

ZEIT: Welche Lehren hat das Bistum gezogen?

Sobbeck: Der neue Generalvikar Wolfgang Rösch hat in Hinblick auf Transparenz in Strukturfragen rasch entschieden: Alle Angelegenheiten des Bischöflichen Stuhls – Haushalt und Bauadministration – werden wieder in die Verwaltungsabläufe der Fachabteilungen zurückgeführt. Gleiches gilt für das Domkapitel.

ZEIT: Bei Ihnen laufen also alle Fäden zusammen?

Sobbeck: In Finanz- und Vermögensfragen, ja. Diese Entscheidung ist der erste, zentrale Schritt, um Fehler wie in der Vergangenheit zu verhindern – und die Voraussetzung für Transparenz. Das ist ein wichtiges Signal. Die Verwaltung und auch die Gremien haben das sehr positiv aufgenommen.

ZEIT: Legen Sie nun alle Finanzen offen?

Sobbeck: Wir haben im Bistum auch über diese Frage gründlich beraten. Mit einem klaren Ergebnis: Wir wollen das Vermögen, aber auch die Verpflichtungen vollständig transparent machen. Beides gehört zusammen. Wir wollen nicht nur benennen, wie viel Geld zum Beispiel in Wertpapieren steckt, sondern auch aufzeigen, wofür die Erträge daraus benötigt werden. Nur Zahlen in die Welt zu setzen genügt nicht.

ZEIT: Sie spielen an auf die Zahlen zum Bischöflichen Stuhl, die viele Bistümer nach der Aufregung um Limburg hektisch publiziert haben.

Sobbeck: Schaue ich nur auf das Vermögen, ist die Kirche in Deutschland reich. Schaue ich auch auf die Verpflichtungen, relativiert sich das.

ZEIT: Wie reich ist Ihr Bistum?

Sobbeck: Der Verwaltungshaushalt beträgt 2014 rund 214 Millionen Euro und finanziert sich zu gut 83 Prozent über Kirchensteuern. Der größte Anteil ist bestimmt für die Seelsorge in den Gemeinden. Zudem gibt es größere Posten etwa für Immobilien, soziale Aufgaben, Schule, Bildung, Familie.

ZEIT: Dies ist aber nur der laufende Betrieb.

Sobbeck: Neben dem Verwaltungshaushalt gibt es im Bistum noch den Vermögenshaushalt, der Investitionen umfasst. Dieser beträgt rund eine Million Euro für die Betriebsausstattung, etwa die IT. Für Baumaßnahmen, traditionell der größte Posten, kommen jährlich bis zu zehn Millionen Euro dazu. Insgesamt sprechen wir also über mehr als zehn Millionen Euro. Finanziert wird dies vor allem aus Rücklagen.

ZEIT: Wie groß sind diese Rücklagen?

Sobbeck: Das Bistum wird nicht isoliert über Rücklagen, sondern über das Vermögen und dessen Struktur informieren. Hier geht es nicht um das Ob, sondern nur noch um das Wann und Wie. Um es klar zu sagen: Das Bistum Limburg hat keine geheimen Kassen, keine geheimen Haushalte. Intern, auch in den Gremien, liegen alle Daten vor. Was fehlt, ist einzig ihre Veröffentlichung, die ich ebenfalls dringend befürworte. Wir haben nichts zu verbergen.

ZEIT: Wie wir hören, unterhält das Bistum mehrere Sondervermögen. Welche sind das?

Sobbeck: Es gibt erstens eine Baustiftung, errichtet 2006, die perspektivisch den Bauetat entlasten soll, die Diözese verfügt ja über rund 1800 Immobilien. Zweitens existiert seit 2007 die Schulstiftung, die katholische Schulen im Bistum unterstützt. Drittens hat das Bistum 1987 einen Eine-Welt-Fonds errichtet, der global Aufgaben der Weltkirche fördert. Am größten ist, viertens, der Versorgungsfonds, der über mehrere Jahrzehnte angespart wurde und in seiner heutigen Form seit 1996 existiert. Er stellt sicher, dass das Bistum Limburg seinen Pensionsverpflichtungen von derzeit 6,5 Millionen Euro im Jahr nachkommen kann.