Manche Schlagzeile kommt so nüchtern daher wie der tägliche Datumshinweis. Einigung über Bankenunion ist so eine. Sie stand jüngst in der Süddeutschen Zeitung und in vielen anderen Blättern. Wahr ist sie deshalb noch lange nicht.

Tatsächlich sind sich bisher nur die Finanzminister einig darüber, wie mit künftig drohenden Bankenpleiten umgegangen werden soll. Diese von Deutschland mit diplomatischem Druck erzwungenen Beschlüsse stehen allerdings in einem so scharfen Kontrast zu den Vorschlägen der EU-Kommission und der Haltung des Parlaments, dass 2014 mit einem heftigen Streit beginnen wird.

Das Ziel ist zu wichtig: Es geht darum, künftig zu verhindern, dass Steuerzahler für die Schieflage oder gar Pleite einer Bank zahlen müssen. In der Folge der Finanzkrise flossen 1.600 Milliarden Euro in marode Institute. Zum Vergleich: Der europäische Haushalt von 2014 bis 2020 ist 960 Milliarden Euro schwer.

Einig sind sich die Politiker darin, dass Europas Banken stark vernetzt sind. Im Grunde sind diese Banken viel europäischer geworden, als die meisten denken. Das ist der eigentliche Grund dafür, europaweit zu kontrollieren und zu handeln. Nach der Wirtschafts- kommt nun die Bankenunion. Doch wie sieht die europäische Lösung aus? Darüber wird im Januar zwischen Rat, Parlament und Kommission verhandelt.

Dieser Artikel stammt aus der aktuellen Ausgabe der ZEIT, die Sie am Kiosk oder online erwerben können.

Erster Streitpunkt: Die Finanzminister wehren sich nach Kräften gegen den Kommissionsvorschlag, wonach die Brüsseler Behörde darüber entscheiden soll, welche Institute gerettet und welche abgewickelt werden sollen. Stattdessen plädieren die Minister für ein Abwicklungsgremium mit Vertretern nationaler Aufsichtsbehörden und der Kommission. Das Parlament wird fordern, wieder zum Kommissionsvorschlag zurückzukehren. Der Grund: Die Beschlüsse müssen oft binnen Stunden getroffen werden, nationale Egos könnten schnelle Entscheidungen blockieren – am Ende zulasten der europäischen Steuerzahler.

Zweiter Streitpunkt: Woher kommt das Geld für die Bankenrettung? Die Finanzminister plädieren dafür, erst nationale Töpfe zu leeren und dann die europäischen. Das ist unehrlich. Es gaukelt besonders den deutschen Bürgern vor, von Problemen anderer Länder verschont zu bleiben. Doch die Pleite einer slowenischen oder polnischen Bank wird nicht allein mit nationalen, sondern am Ende nur mit Gemeinschaftsmitteln abgewendet werden können. Das EU-Parlament fordert deshalb einen fast 70 Milliarden Euro umfassenden europäischen Rettungsfonds.

Der Widerstand, den vor allem der amtierende Parlamentspräsident Martin Schulz (SPD) ankündigte, ist mehr als Säbelrasseln. Das Parlament will sich positionieren. Im Mai stehen schließlich Europawahlen an. Noch immer haben die Abgeordneten den Ruf, zwischen Brüssel und Straßburg Steuergeld zu verpendeln und zwischendurch über Glühbirnen und Gurken zu reden. Die Verhandlungen um die Bankenunion sind eine willkommene Gelegenheit, mit diesen Klischees aufzuräumen. Die Union kann dadurch nur europäischer werden, schlechter wird sie durch die anstehende Debatte sicher nicht.