Am vergangenen Samstag erlebte Hamburg einen Ausbruch von Hass. Brennende Autos, Tränengasschwaden, eingeschmissene Schaufenster, Barrikaden, viele Verletzte. Anlass war eine Demonstration im beliebten Schanzenviertel, die drei Anliegen bündelte: den Erhalt des linken Kulturzentrums Rote Flora, ein Bleiberecht für eine Gruppe afrikanischer Flüchtlinge aus Lampedusa sowie eine sozialverträgliche Neubauplanung für die sogenannten Esso-Häuser, einen maroden Baukomplex auf der Reeperbahn, der letzte Woche evakuiert werden musste. Demonstriert wurde am Ende nicht, die Polizei stoppte die etwa 7.500 Teilnehmer bereits nach 50 Metern.

Die Gewalt, zu der es danach zwischen Polizei und Autonomen kam, ist unentschuldbar. Einseitige Schuldzuschreibungen bringen aber nichts. Im Hamburger Schanzenviertel ist am Wochenende ein Kessel explodiert, der schon lange unter Druck stand.

Leider gleicht ganz Hamburg solch einem Kessel. Hamburg ist eine gespaltene Stadt, und ihre zwei Seiten stehen sich auf ähnlich unversöhnliche Weise gegenüber wie Polizisten und Autonome. Zum einen das reiche und immer reichere, für Touristen hübsch gemachte Hamburg, symbolisiert durch die Elbphilharmonie. Zum anderen ein sich immer weiter ausdehnendes ärmeres Hamburg, das durch steigende Mieten an den Stadtrand gedrängt wird.

In den letzten Jahren haben Stadt und Senat sich nicht darum geschert, diese beiden Seiten einander anzunähern. Gewiss, es gab die Besetzung des Gängeviertels, das die Stadt nach Protesten zurückgekauft hat und nun Künstlern zur Verfügung stellt. So hat sich der Senat gegen Kritik immun gemacht und kann jeden Vorwurf, investorenfreundliche Politik zu betreiben, mit dem Einwand parieren, man habe doch schließlich das Gängeviertel erhalten.

Gentrifiziert wird in jeder Großstadt. Aber die Hansestadt könnte ein Vorbild für andere deutsche Großstädte sein – sie muss sich nur entscheiden, ob ein gutes oder ein schlechtes: Will sie Avantgarde sein für die Spaltung oder die Befriedung seiner Bewohner? Zur Befriedung brauchte es eine Politik der Deeskalation und Wärme gegenüber den Schwächeren; eine Politik der Gleichheit und Teilhabe; eine soziale Durchmischung der Viertel; mehr Sozialwohnungen und mehr öffentliche Räume. Setzt sich hingegen die Spaltung fort, wird die Stadt sich an das, was wir Samstag erlebt haben, gewöhnen müssen.