Ein Hoch auf die NSA! Und ein Hoch auf den Leipziger City-Tunnel, der am 14. Dezember nach langen Jahren des Grabens und Wühlens unter der Stadt endlich eröffnet wurde. Ein Großteil der Bausumme – wie viele Milliarden es sind, versuchen die zuständigen Finanzämter noch herauszufinden, so munkelt es und schunkelt es im ostdeutschen Musikantenstadl – soll von der NSA gekommen sein, denn die Datensammler konnten sich so ganz unauffällig VON UNTEN den Hunderttausenden Leipziger Haushalten und den darin verborgenen Informationen nähern.

Denn wo, wenn nicht hier, in der Stadt DER FRIEDLICHEN REVOLUTION (Oh großmächtiger Allah, zettele einen Dschihad an gegen diese Worthülse, die der Novemberwind durch unsere Straßen weht!), können die Bürger etwas aushecken! Häckt nur, ihr Heckenschützen von der NSA, ich habe kein I-Fon, und die Drohnen, die ihr mit freundlicher Unterstützung der Bundesregierung schickt, gehen verloren in der Düsternis der Leipziger Vorstadt, die Jubelrufe darüber, dass Dortmund uns abgelöst hat als ärmste Stadt des Landes, treiben die armen Drohnen weit hinaus ins All, über Zwickau hätten sie kreisen sollen, dann wäre der NSU uns ins Netz gegangen, aber auch die Nachbarn waren AHNUNGSLOS, denn Ausländer mögen wir alle zusammen nicht so besonders. Es lagen vier blutige Schweineköpfe auf dem Baugrund der Leipziger Moschee ... ABC, wann kommt der erste Schnee, damit das gute Sachsenland wieder weiß und unschuldig wird.

Und während die S-Bahnen und City-Shuttles unter der Stadt zwischen den vier unterirdischen Stationen hin und her flitzen, von 2013 bis in alle Ewigkeit, zwischen den Monaten und Menschen hin und her flitzen ... ein Hoch auf Joachim Gauck, du bisweilen eitler Ritter in frisch gewienerter Rüstung hast uns stolz gemacht, dass du nicht zu den Russen fährst, demonstrativ, auch wenn der/die Ostdeutsche No.1 da grummelt, aus internen Quellen habe ich erfahren, dass die Kanzlerin eigentlich zur Eröffnung kommen wollte, aber der Intercity-Tunnel Leipzig–Berlin mit Haltestelle Kanzleramt ist noch nicht fertig, also ist sie lieber auf den großen Weihnachtsmarkt beziehungsweise den Weihnachtsrummel gegangen, wollte sich feiern lassen, aber das Volk, war ROTZBESOFFEN vom süßen Glühwein, der ist so süß, dass er, in Luftballons gefüllt, als Wurfwaffe gegen die kreisenden Drohnen eingesetzt wird, ein Exportschlager in große Teile der freien/unfreien Welt, in denen der Friedensnobelpreisträger mit dem Joystick die Zivilbevölkerung ausradiert, nur in den Tunneln ist man heute noch sicher, eigentlich dürfte unser Freiheits-Joe aus Schloss Bellevue auch nicht mehr über den großen Ozean rüber, River Styx ist überall, Russen, Amis, Chinesen, Nordkoreaner, Iraner, alles eene Suppe, wie wir Sachsen sagen und damit natürlich nur die herrschende Kaste meinen, von Kasten, Klassen und Kisten, eene meene miste, wer muss in die Kiste?, unser großer alter Erich Loest hat uns verlassen und geistert durch den Leipziger Untergrund, in der düsteren Krypta des Völkerschlachtdenkmals hören wir ihn grummeln wie ein Sommergewitter, und durch die Erde ein Riss, sogar Nelson Mandela wurde gesehen zum Eröffnungsevent, ja, der und die ersten Mutigen Friedensgebeter, bevor dann die Massen kamen, und bevor die Revolution ihre Kinder entließ, das passt doch zusammen, SCHWERTER ZU PFLUGSCHAREN, ich hoffe, dass der City-Tunnel RUND UM DIE UHR überwacht wird, Metalldetektoren an ALLEN Türen, Sprengstoffspürhunde patrouillieren an langen Leinen über die Bahnsteige. Biometrische Fingerabdrücke helfen, die Fahrpreise abzubuchen. Nicht, dass jemand auf die Idee kommt, unsere Weltstadt wegzusprengen. Von der es doch überall heißt im Moment, sie sei das bessere Berlin. Oh Herr, streue Klugheit und Einsicht in ihre Köpfe! Wir sind Leipzig, und dabei bleibt sich’s.

Und wir blicken zurück und auf die Fahrpläne des Jahres. Greift die Amnesie um sich, dass wir schon fast vergessen haben, was vor wenigen Monaten noch war? Wahlkampf 13, der irgendwie kein Wahlkampf war, Boris Becker geht uns auf den Wecker, Huren und Freier sind alle Opfer, alle Täter und gemeinsam Fremdkörper in der Gesellschaft, Alice Schwarzer nervt, Huren, die nicht ins Bild passen, werden ausgelacht beziehungsweise nicht angehört, Jauch dackelt und nervt seit JAHRZEHNTEN, Pferdefleisch und Rattenfleisch in Raviolidosen, Asylbewerber werden von Bürgern ... was auch immer, Lichtenhagen und Hoywoy waren damals schlimmer!, die NPD soll nun doch verboten werden, Beate schweigt in München, Verfassungsschutz und BND spielen weiter Münchhausen... Wir springen von Shuttle zu Shuttle, aber nur Zombies sitzen drin, die starren auf ihre I-Fons, last exit INTERNET-APOKALYPSE. Wir haben uns den Big Brother ... äh, sorry, die BIG MOTHER (weil doch die Quote und so weiter, ich finde aber, Männer sollten auch Kinder gebären in der Zukunft, Embryonalverpflanzungen, ich fühle mich sonst ENTMANNZIPIERT) doch selbst erschaffen, im City-Tunnel treffen sich Zehntausende jugendliche Facebook-Zombies, weil irgendeiner da Geburtstag feiern will und das gepostet hat, eine Bürgerwehr knüppelt die Wänster dort wieder raus, knüppelt sie in die Bibliotheken und Theater und Knigge-Institute, Yes we can!, nur nicht zu viel falsche politische Korrektheit, Nutte darf man sagen beziehungsweise schreiben, aber Neger nicht, wie nennt man Schwule jetzt richtig, ohne dass es einen Aufstand der Gays gibt? Wir müssen Massenhochzeiten durchführen, geschlechterübergreifend, ethnienübergreifend (ich komme immer wieder in Schwierigkeiten mit meinem inneren Sprachzensor, aber, verdammt noch mal, bald ist Neujahr, alles muss raus zum großen SATIRE- GIPFEL), in den Stationen des City-Tunnels werden separate Toiletten für Metrosexuelle eingerichtet, wir Sachsen waren schon immer Vorreiter in Sachen Toleranz, Offenheit und Pazifismus und so weiter, bei unseren großen historischen Völkerschlachtspielen im Herbst 13, die aber gefühlt immer und permanent am SCHLACHTEN sind und um ein Haar, den ... jetzt kommt’s: CITY-TUNNEL (Tusch, einen Tusch!) als Mega-Event 13 verdrängt hätten, wurden Homosexuellen-Regimenter aufgestellt, die selbstbewusst marschierten und kämpften, Seite an Seite, die rosa Füsiliere, ein metrosexueller General, ein ausländischer (aus Frankreich!!!) Napoleon, ein Regiment ausschließlich aus Hartz-Vierern, und am Ende gab es die große Verbrüderung, und das meine ich jetzt hier alles politisch korrekt, hier ist was los, yeah! beziehungsweise oui! , während anderswo der Hund verreckt. Oh ihr großen Satiren und Tragödien. Und durch die Erde ein Riss, auf dass Licht in unsere Tunnel dringe. Wo inzwischen die Nackten von Femen tanzen. Aus der Kirche in den Gulag. Wir sollten die rosa Füsiliere dort hinschicken, damit sie für die Freiheit streiten, aber auf Moskaus Straßen herrschen andere Sitten, da wird mitunter scharf geschossen! Gar nicht so einfach das alles, zwischen Europa und der Mitropa. Prost! Kehrt Schröder 2014 in die Politik zurück, um mit Putin die Party zu schmeißen?

Wie lange kann Mutti Merkel dem City-Tunnel noch fernbleiben? Oder war sie schon längst da, und keiner hat’s gemerkt? Wie haben wir die Flut eigentlich wieder mal in den Griff gekriegt, und die wievielte war es eigentlich? Wann bekommt der große Werner Heiduczeck (Sein Tod am Meer muss man gelesen haben!), der seit Jahrzehnten in Leipzig lebt, endlich den Lessing-Preis?

Das Gleiche trifft auf unseren Andreas Reimann zu, einer der großen Dichter! Nanu, werde ich besinnlich auf meinen Fahrten zwischen den Stationen? Halle ist das bessere Bitterfeld! Dresden ist das bessere Rostock! Frankfurt/Oder ist das bessere Frankfurt. ECHT JETZT? Keine Ahnung, müsste mal hin und die Sache überprüfen.

Sollten wir Edward Snowden vielleicht in unseren Tunnel einquartieren? Platz hätten wir genug! Die Wahrsager und Analysten prognostizieren einen Zusammenschluss von NSA und NSU, eine Fusion à la Alien. Ganz schön kalt hier unten! Und durch die Erde ein Riss, auf dass eine Flut süßen Glühweins direkt vom Weihnachtsmarkt durch unseren Tunnel fließe. Wer nicht aufpasst, ersäuft. Ein geruhsames 2014 euch allen!