Doch das Lachen bleibt demjenigen im Halse stecken, der erkennt, dass es Hans ist, der zuletzt am besten lacht. Hans nämlich hat ein anderes Erfolgsmodell. Sein Wertesystem ist ver-rückt, und scheinbar Wertloses ist ihm kostbar. Bei Kindern erlebt man das manchmal, wenn sie den schicken neuen Teddybären, den sie zu Weihnachten bekommen haben, zugunsten des alten links liegen lassen, obwohl der nur noch ein Auge hat und schon die Sägespäne herausrieseln. Dabei ist Hans kein Idiot. Er muss ein kluger Kopf und ein fleißiger Arbeiter sein, sonst wäre er von seinem Meister kaum so exorbitant bezahlt worden. Sein Goldklumpen ist kein Lottogewinn, sondern der Lohn für sieben Jahre der Anstrengung und Entbehrung. Wir mit unserem Versicherungsdenken würden sagen: Das Gold ist Hansens Fundament für die Zukunft, jetzt kann er heiraten, Kinder ernähren, ein Haus bauen, einen Betrieb aufmachen. Aber darauf kommt es Hans offenbar gar nicht an. Sein Streben gilt Dingen, die man nicht sieht. Erfolgreich und reich gehören für ihn nicht zusammen. Die großen Philosophen und Religionsstifter haben sich verhalten wie Hans im Glück. Materieller Reichtum zählte nicht. Man solle sein Herz nicht an die irdischen Güter hängen, mahnte der Apostel Paulus, man solle "haben, als hätte man nicht". Und auch Diogenes genügte die Sonne.

Hans wird seiner Mutter keinen Goldklumpen heimbringen. Aber er bringt ihr sich selber heim

Aber Hans ist kein Religionsstifter und auch kein Philosoph. Er hat keine Mission. Hans hat bloß eines: ein festes Ziel. So wechselhaft und wankelmütig er in seinen kurzfristigen Anwandlungen des Begehrens auch sein mag, so unbeirrbar ist er auf seinem Weg. Nach sieben Jahren schwerer Arbeit kehrt er heim zu seiner Mutter. Das bedeutet: Er hat eine stabile Beziehung und einen Ort, an dem er verwurzelt ist, an den er gehört. Er hat jemanden, der auf ihn wartet. Jemanden, den er liebt und der ihn liebt. Ob einer erfolgreich ist, hängt allein von der Beschaffenheit des Ziels ab, das zu erreichen er sich vorgenommen hat. Im Fall des Hans ist das Ziel sein Zuhause. Die Beziehung zu seiner Mutter ist das Einzige, was ihm etwas wert zu sein scheint, und das macht ihn frei von allem anderen. Er wird seiner Mutter keinen Goldklumpen heimbringen. Aber er bringt ihr sich selber heim – gesund und mit Fröhlichkeit im Herzen.

"Alles, was ich wünsche, trifft mir ein, wie einem Sonntagskind", ruft Hans am Ende laut. Da hat er recht. Die Weisheit des Hans im Glück ist die Weisheit des Sonntags, jenes Tages also, der nur für sich selbst steht und keinerlei ökonomischen Zweck erfüllt. Sechs Tage in der Woche bestehen aus Mühe und Arbeit, Stress und Hektik. Am siebten Tag aber darf sich der Mensch im untätigen Dasein daran erinnern, dass er selbst einen Lebenswert hat, den er sich nicht verdienen muss, ja den er sich gar nicht verdienen kann. Hans muss nichts heimschleppen, er muss nichts leisten, er weiß: Ich darf leben, so wie ich bin. Ich werde geliebt, weil es mich gibt. Hans ist nicht korrumpierbar, er trägt den Sonntag in sich. Das ist sein Glück und sein Erfolg. Um seine Zukunft muss sich niemand Sorgen machen. Man könnte auch sagen: Hans ist ein gesegneter Mensch.