Das Meerwasser rund um Nord- und Südpol enthält ungefähr 30 Gramm Salz pro Kilo. Dadurch wird sein Gefrierpunkt abgesenkt – aber der Effekt ist geringer, als man meinen möchte: Das Wasser der arktischen Ozeane gefriert schon bei etwa minus zwei Grad Celsius.

Es beginnt dann, die typischen sechseckigen Kristalle zu bilden, und dabei stören Salzmoleküle nur. Also werden sie zum großen Teil aus dem Wasser herausgequetscht und landen irgendwann im umliegenden Ozean, dessen Salzgehalt sich dadurch leicht erhöht. Ein Teil des Salzes wird aber auch in kleinen Sole-Tröpfchen von Eis umschlossen.

Meereis enthält dann nur noch etwa vier Gramm Salz pro Kilogramm und ist damit etwa so "süß" wie Süßwasser – die Polarmeere sind also riesige Meerwasserentsalzungsanlagen.

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In den sechziger Jahren entsann in Israel ein russischstämmiger Forscher namens Alexander Zarchin sogar ein Verfahren, um Meerwasser durch Gefrieren zu entsalzen. Der Prozess brauchte erheblich weniger Energie als das Verdunsten und Kondensieren. In Israel wurden auch tatsächlich Pilotanlagen gebaut.

Letztlich aber erwies sich der Zarchin-Prozess aber nicht als wirtschaftlich: Das verdrängte Salz klebte nämlich in Form hoch konzentrierter Sole am Eis und musste abgewaschen werden – mit kostbarem Süßwasser.

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