... den ersten Tochterweitwurf ins Wellengeschäum der türkischen Ägäis – mit viel Gekiekse und Gejohle und endlosem Noch-mal-noch-mal-Gebettel. Wolf Alexander Hanisch, Autor

... dieses Ding, das in dem Laib Parmesan steckt, der jeden Abend auf dem Buffet im Hotel Maria in Obereggen thront. Wie nennt man das? Spatel? Tortenheberspeer? Jedenfalls bricht man damit Stücke aus dem Käse, die den Auftakt bilden zu einem Menü, das alle Mühsal eines Aktivurlaubs vergessen lässt. Egal, ob die Wangen noch glühen vom Skifahren oder die Finger schmerzen vom Klettern am Dolomiten-Kalkstein – ist der Käsestichel in Reichweite, wird alles gut. Christof Siemes, Kulturreporter

... das erste Mal draußen barfuß laufen, wenn es endlich warm genug ist, möglichst an jenem südschwedischen See entlang, wo die Füße beim Gehen blau werden, unweigerlich, blaubeerenhalber. Elisabeth von Thadden, Feuilleton

... Reisen durch die Luft, weil ich nach zwanzig Jahren meine Flugangst überwunden habe und nun – vorausgesetzt ruhiges Wetter, verständnisvoller Nachbar und Fensterplatz – im nächsten Jahr nach St. Petersburg oder Istanbul oder Marrakesch fliegen kann. Sabine Rückert, stellv. Chefredakteurin

... das Bier in der Bar do Birra, am Inselstrand von Moreré vor der Nordostküste Brasiliens. Hier ist stets sichergestellt, dass Birra da ist, ein pensionierter Gitarrenspieler aus Salvador, der vor etlichen Jahren diesen Holzverschlag und ein paar Baumstümpfe als Sessel an die Strandbucht gesetzt hat. Weniger sicher ist, dass Birra gerade Bier verkauft. Das hängt davon ab, ob der Kosmos, Birra und das Bierverkaufen an diesem Tag miteinander in Einklang stehen. Zwei Flaschen Bier bekommt man aber auch im nahen Supermarkt. Dann setzt man sich zu Birra, und er spielt Gitarre. Thomas Fischermann, Büro Rio de Janeiro

... einen kleinen Gang im ersten Frühlingssonnenschein durch den Sachsenwald, wo die Vöglein singen und aus Haus Friedrichsruh wieder der Familienstreit bei Bismarcks fröhlich herübergellt ... Ja, endlich raus aus Hamburgs Wintergrau! Und auch mal wieder in die Vororte, Blankenese, Finkenwerder, Berlin ... Benedikt Erenz, Geschichte

... die blaue Stunde am späten Nachmittag in Nauders: Nach dem Skifahren raus aus den Stiefeln, Handschuhe, Mütze, Socken auf die Heizung, zuletzt die enge Kniebandage. Im Bademantel die Treppe runter in den Hotelkeller – oh, gut, noch niemand sonst da! Das Handtuch auf die oberste Saunabank, glatt streichen, sich draufstrecken. Einatmen, ausatmen. Die Wärme spüren. Es tut nichts weh. Iris Mainka, Chefin vom Dienst

... den deutschen Kartoffelsalat, den ein italienisches Paar auf der italienischen Insel Stromboli herstellt, seit ich vor vielen Jahren das Rezept (Zwiebel, saure Gurken, Petersilie, ausgelassener Schinkenspeck) dorthin exportiert habe. Nach meiner Abreise wurde es sofort einer radikalen Italienisierung unterworfen (Kapern, schwarze Oliven, Artischocken, Olivenöl et cetera). Der deutsch-strombolianische Kartoffelsalat ist ein work in progress. Wann immer ich auf der Insel bin – viel zu selten! –, erlebe ich eine neue Kartoffelsalatvariation, die mit dem Urrezept so viel zu tun hat wie der Neandertaler mit Albert Einstein. Ich hoffe, im Frühherbst nach Stromboli zu reisen und am Küchentisch des Paares etwas zu essen, von dem ich sagen kann: Zumindest die Idee mit den Kartoffeln ist von mir. Ursula März, Autorin

... diesen einen Tag im März, der glauben macht, dass Kiel doch nicht in Norddeutschland liegt, sondern in Italien oder Argentinien. Die Luft ist nach dem Winter weich und mild und pastellig, der Wind lau. Aus irgendeinem magischen Grund wussten wir alle, dass es genau dieser Tag sein würde: Nach Monaten in dicken Pellen tragen die Frauen draußen vor den Cafés Röcke. Der Wind lässt die Säume flattern. Uns wird ganz schummrig vor Mediterranigkeit. So einen Tag gibt es nicht jedes Jahr. 2013 zum Beispiel fiel er aus wegen überlangem Scheißwinter. Bjørn Erik Sass, Autor

... den Aufstieg zum Gipfel – kein Autobrummen mehr zu hören, kein Telefonklingeln, nicht mal das Rauschen einer Heizung. Dafür umso lauter, wie einen längst vergessenen alten Bekannten, den eigenen Atem. Henning Sußebach, Dossier

... die Brücke über dem Münchner Eisbach und darauf, in einer Sommernacht den Leuten zuzusehen, die im Licht ihrer mitgebrachten Lampen auf der stehenden Welle reiten. Peter Kümmel, Feuilleton

... die Kraniche, die im Vorfrühling nordwärts über mein Haus fliegen – dann bekomme ich Lust, auch wieder zu verreisen. Elsemarie Maletzke, Autorin

... das Vives-les-vacances- Set an der Autobahnraststätte direkt hinter der deutsch-französischen Grenze: Trinkjoghurt, Hollywood-Kaugummis und zwei Päckchen Gauloises mit Warnhinweisen, die dank verschütteter Sprachkenntnisse mehr nach erotischem Versprechen als nach Todesurteil klingen. Karin Ceballos Betancur, Reisen

... den Tag, an dem der weichende Schnee auf den Berliner Straßen die Hundehäufchen vom Vorjahr freigibt. Wie farbenfroh, formenreich und nachgerade poetisch sie sich der Sonne entgegenringeln! Als wollten sie uns bedeuten, dass alles im Leben wiederkehrt, bevor es endgültig vergeht. Nach diesem Schauspiel kann er kommen, der Frühling. Thomas Groß, Feuilleton

.... die Fahrt mit meiner Freundin Pauline zum Hurricane-Festival bei Scheeßel. Wir hören im Auto unsere Lieblingssongs und reden, als hätten wir uns ein Jahr lang nicht gesehen. Wenn das Zelt steht, folgen wir den Massen am Wald entlang zu den Bühnen. Die Musik wird lauter und lauter, manche fangen an zu rennen. Vielleicht rennen wir mit, quer über die Wiese, der Musik entgegen. Selbst wenn wir die Band, die gerade spielt, gar nicht so mögen. Jessica Braun, ZEIT ONLINE