Stars und Sterne
Das Harzer Hotel, in dem George Clooney abstieg, hat nun Sorgen

Für Sebastian Ott war 2013 ein Jahr der Sterne. Sein Hotel hat einen Star gewonnen – und am Ende einen Stern verloren. Der Star, das ist George Clooney. Im Frühling mietete sich der Schauspieler für fünf Wochen im Haus "Zu den Rothen Forellen" in Ilsenburg ein. Clooney drehte in der Umgebung den Film Monuments Men.

Sebastian Ott bot Clooney eine abhörsichere Suite mit gepanzertem Glas, 40 Sicherheitskräfte bewachten das Haus, im Hotelteich wachte ein Taucher. Die Kleinstadt war im Ausnahmezustand. Vor dem Hotel saßen Fans und hofften, Clooney einmal kurz zu sehen, hochrangige Politiker riefen beim Hoteldirektor an, in der Hoffnung, Clooney zum Essen einladen zu dürfen.

Er wolle den Promibesuch nicht fürs Marketing ausnutzen, sagt Ott heute. So gibt es keinen Clooney-Drink in der Hotelbar, kein Clooney-Dinner, nichts von alledem. Trotzdem hat das Hotel von Clooney profitiert. Es wurde etwa 400-mal in Medien erwähnt – nun waren 92 Prozent der Zimmer in diesem Jahr belegt. Ein Topwert. "Ich dachte sogar, dass noch mehr Fans von Clooney kommen", erzählt Ott, "aber seit dessen Abreise fragte kaum einer mehr danach."

Die "Forelle" ist Sachsen-Anhalts einziges Fünfsternehotel. Sein Gourmet-Lokal Forellenstube trug als landesweit einziges einen Michelin-Stern. Bis vor wenigen Wochen. Im November veröffentlichte Michelin seinen neuen Führer, und die Ilsenburger waren ihren Stern los.

"Das schmerzt uns in der Seele", sagt Ott. Sorgte man sich zu intensiv um die Stars und zu wenig ums Essen? Jedenfalls bekommt die Forellenstube nun eine eigene Küche, bislang teilt sich das Edelrestaurant ihre mit den anderen beiden Lokalen des Hotels. Wenn die Michelin-Tester im nächsten Jahr wiederkommen, will Ott den Stern zurück – und nicht nur das. 2015 würde er gern Wladimir Putin, Angela Merkel und Barack Obama verköstigen. Dann findet der nächste G-8-Gipfel statt – wohl in Ostdeutschland. Eigentlich hat Heiligendamm, wo die Regierungschefs 2007 schon logierten, wieder gute Chancen. Doch in Mecklenburg-Vorpommern ist die Freude darüber begrenzt, zu aufwendig war die Vorbereitung damals, zu viel Ärger gab es mit Demonstranten. Sebastian Ott macht sich nun Hoffnungen: "Wir haben bewiesen", sagt er, "dass sich bedeutende Leute bei uns wohlfühlen."