Das silvesterliche Bleigießen ist der schönste Aberglauben: Es zischt und brodelt, und schon kennen wir unsere Zukunft. Heute wollen wir eine Lanze für den A. brechen, keine folkloristische, sondern eine wissenschaftlich gehärtete. Ohnehin wissen wir aus eigener Erfahrung, wie sinnvoll der A. ist. Es ist in der Tat unklug, unter Leitern hindurchzuspazieren, stehen doch oben Maler und Töpfe, schwere Objekte, die ein unheimliches Verhältnis zur Erdanziehungskraft pflegen.

Die Empirie gibt uns auch recht, wenn wir die Ritzen zwischen den Bürgersteinplatten überspringen. Wir fühlen uns sicherer und stolpern weniger. In einem Experiment der Uni Köln wurde einigen Probanden ein Golfball zugeteilt, der "Glück bringt". Die mit dem Glücksball waren um 35 Prozent besser beim Putten als die mit einem "normalen". Wie steht es um "Freitag, den 13."? Die US-Professoren Kramer und Block berichten im Journal of Consumer Studies (April 2008), dass dieses ominöse Datum die Menschen ebenfalls besser macht: "Aberglauben hat einen robusten Einfluss auf die Risikoabwägung."

Die Testpersonen wurden gebeten, entweder an "Freitag, den 13." oder ein neutrales Datum, "Dienstag, den 19.", zu denken. Dann sollten sie zwischen einer sicheren und einer riskanten Wette wählen. Die Hälfte der Freitags-Leute entschied sich für die sichere mit dem kleineren Gewinn. Bei den Dienstags-Denkern war es nur ein Drittel.

Das Wall Street Journal berichtet von einer Studentin, die bei jedem Spiel der Chicago Blackhawks deren Farben trägt. Verloren hat das Eishockey-Team nur einmal – als sie ein anderes T-Shirt anhatte! Der Zusammenhang mag "nur in meinem Kopf existieren", gibt sie zu, aber er verschaffe ihr "innere Ruhe". Wissenschaftlich drücken es die Aberglauben-Forscher Hamerman und Johar im Journal of Consumer Studies (Oktober 2013) so aus: Der A. ist die psychische "Absicherung gegen Ungewissheit".

Schlichter formuliert: Auch wenn das T-Shirt den Blackhawks nicht zum Sieg verhilft, stärkt es das Seelenheil. Vielleicht erspart es der Frau auch ein paar Therapiesitzungen, was ein Zeit- und Geldgewinn wäre – gut für die Volkswirtschaft. Deshalb ist der A. zu loben. Zum Beispiel, wenn Sie auf der Fahrt zu einem Termin spät dran sind und sich bei Rot sagen: "Wenn die Ampel auf Grün schaltet, bevor ich bis zehn gezählt habe, schaffe ich es." Prompt fahren Sie gelassen und umsichtig – ein Blechschaden weniger.

Besser auch, am "Freitag, dem 13." nicht zu fliegen. Bekanntlich herrscht an jedem Freitag, dem Wochenendbeginn, Massenandrang, der Verspätung und Annullierung erzeugt. Klugerweise lässt man wenigstens den 13. aus. Schwarze Katzen, die von links nach rechts (oder umgekehrt?) queren: Wem hat jedwede Katze schon mal Glück gebracht – anders als der Hund, der Kleinkinder aus dem Wasser zieht? Michael Jordan, der größte Basketballer aller Zeiten, trug stets einen Glücksbringer unter der Hose, und stets brillierte er. Die Überzeugung, die Macht des Kosmos auf seiner Seite zu haben, steigert die Performance.

Wenn Sie also den gezackten Bleiklumpen als Verheißung einer neuen Liebe entziffern, werden Sie Ihr Glück im Januar finden. Weil Sie selbstsicher zur Balz schreiten? Oder weil das Blei die Wahrheit gesagt hat? Win-win, so oder so. Wissenschaftlich verbrieft: 2014 wird wunderbar.