Leichter wandern

Neben dem Verschwinden von Travellerschecks und Stadtfaltplänen zählt ja auch das schleichende Ende eselsohriger Wanderführer zu den Kollateralschäden der Digitalisierung. Und wie immer beim Aussterben mag man das mit einem Auge beweinen. Der Rest des Körpers (vor allem der Rücken) freut sich hingegen über das Ableben der ziegelsteingroßen Brocken mit reiseuntauglichem Gewicht – und über einen ihrer Nachfolger: den digitalen ADAC Wanderführer Deutschland. Die App versammelt mehr als 6.000 Kurzwandertouren mit Streckenverlauf und topografischen Karten. Wie bei ihren analogen Vorgängern sind den digitalen Wanderrouten Bilder, Wegbeschreibungen, Schwierigkeitsgrad, ungefähre Dauer und das Höhenprofil beigestellt. Im Gegensatz zum gedruckten Wanderbuch reagiert die App jedoch interaktiv: Gefiltert nach Vorlieben, Zeitrahmen und Kondition, schlägt der Wanderführer Ausflüge in der unmittelbaren Umgebung vor und führt damit womöglich auf überraschend nahe liegenden Pfaden in die Fremde.

ADAC Wanderführer Deutschland Android 4,99 €, iPhone 5,49 €

Unter Pinguinen

Wer einen echten Puma sehen will, muss dafür natürlich schon lange nicht mehr nach Patagonien fliegen, sondern kann einfach den nächstgelegenen Zoo besuchen. Wem das immer noch zu weit oder im Winter zu kalt ist, der findet nun Abhilfe im Internet. In den vergangenen Monaten haben die Fotografen von Google-Street-View ihr Auto bisweilen für einen Besuch im Tierpark abgestellt und ihre Kameras mitgenommen. Herausgekommen sind dabei Streifzüge durch die buntesten Tiergehege der Welt. Die Riesenpanda-Zucht im chinesischen Chengdu, eine Stippvisite bei kanadischen Geparden, japanischen Pinguinen und den Giraffen von Singapur passen locker in einen Vormittag auf der heimischen Couch. Die Tiere lassen sich geduldig beäugen, und mutige Onlinebesucher können sich nach Belieben ganz nah heranzoomen. In der Krokodilfarm von Pierrelatte bei Avignon kann man den Tieren so tief in den pixeligen Rachen schauen, dass einem am Bildschirm ein bisschen mulmig wird. Eine schöne Übersicht der abgelichteten Zoos von Warschau bis Honolulu findet sich auf der Google-View-Seite "Zoos und Tierparks".

Man spricht alles

Wenn Sprachen der Schlüssel zur Welt sind, brauchen Reisende einen verdammt großen Schlüsselbund (wer am Bahnhofsschalter von Kathmandu auf fehlerfreiem Nepali einen Liegewagen buchen und sich beim Preis auf das Fahrgastrechteformular berufen kann, werfe den ersten Stein gegen diese These). Die eigenen Fremdsprachenkenntnisse vor einer Reise aufzufrischen macht nicht nur Sinn, sondern auch Lust auf die geplante Fahrt. Mittlerweile gibt es dafür auch zahllose Lernprogramme im Netz. Gegenüber den bisherigen Softwarelösungen hat das Internet-Start-up Doulingo zwei kapitale Vorzüge vorzuweisen. Zum Ersten ist die Nutzung des Internetangebots und der dazugehörigen Apps komplett gratis. Das Geschäftsmodell der Betreiber basiert darauf, dass die Schüler echte Inhalte aus dem Internet übersetzen, wodurch jeder Übungssatz zu einer Art freiwilligem Mitgliedsbeitrag wird. Zum Zweiten erweitern die Nutzer selbst das Sprachportfolio von Duolingo. Im Laufe der Zeit sollen Muttersprachler aus der ganzen Welt Kurse in ihrer Sprache erstellen. Noch liegt der Fokus auf den großen Weltsprachen (Spanisch, Französisch, Deutsch, Portugiesisch, Italienisch und Englisch) – bei aktuell 15 Millionen Teilnehmern wird der Nepalikurs allerdings nicht lange auf sich warten lassen. Selbst für Klingonisch und Elbisch haben sich bereits Freiwillige gemeldet.

Kostenlos im Internet ebenso wie die Apps für iPhone und Android