Die Frage: Peter und Sabine haben nach langem Suchen ihre Altbau-Traumwohnung gekauft. Sie wird jetzt renoviert. Peter ist handwerklich geschickt; er will nicht nur einiges selber machen, sondern glaubt auch, dass er in vielem besser Bescheid weiß als die Baufirmen. Er kann sich oft kaum beherrschen, wenn ihm Sabine widerspricht und sich auf einen der Handwerker beruft. Vor Dritten ist es ihnen bisher immer gelungen, sich wieder einzukriegen; Sabine hat auch die Erfahrung gemacht, dass Peter später durchaus auf ihre Wünsche eingeht. Abends geht der Streit weiter: Sabine will Peter erklären, dass sie sich ungeliebt fühlt, wenn er so aggressiv wird. Peter will Sabine klarmachen, dass er oft dicht davor ist, aus dem Fenster zu springen, wenn sie anderen mehr glaubt als ihm.

Wolfgang Schmidbauer antwortet:  Wenn eine Beziehung den Bau eines Hauses (oder den Umbau einer Wohnung) verkraftet, hat sie ihre Belastbarkeit erwiesen. Wie wir aus großen (Ludwig II. von Bayern) und kleinen (Bischof Tebartz-van Elst) Beispielen wissen, stimuliert Bautätigkeit Größenfantasien und steigert auch die Kränkbarkeit. Wo zwei Menschen sich verewigen, ist Streit normal und Verhandlungsgeschick vernünftig. Dazu gehört es auch, Strukturen einzuführen (etwa ein Vetorecht in den gemeinsam genutzten Räumen). Zu diesem Verhandlungsgeschick würde ich auch die Lizenz zum Grollen rechnen. Sabine sollte die Verhandlungen abbrechen, sobald Peter laut wird. Das hilft ihm dann, die Scherben seiner Größenfantasie einzusammeln und zu seinem vernünftigeren Selbst zurückzufinden.