Als die Manager der BayernLB im Jahr 2010 begannen, einen Verhaltenskodex zu entwickeln, nahm die Staatsanwaltschaft gerade Ermittlungen gegen einen ihrer früheren Topmanager auf: Gerhard Gribkowsky hatte sich beim Verkauf von Beteiligungen der Bank mit 44 Millionen Dollar bestechen lassen. Kaum vorstellbar, dass der Manager von einem Ethikkodex stärker beeindruckt gewesen wäre als vom Strafgesetzbuch – das ihn für achteinhalb Jahre ins Gefängnis gebracht hat.

Die EU-Kommission weiß um die Schwäche von Selbstverpflichtungen der Wirtschaft. "Grundsatzerklärungen sind kein Selbstzweck", schreibt sie in einer Studie zur sozialen Verantwortung von Unternehmen – der Corporate Social Responsibility (CSR). Trotzdem hat sie untersucht, wie viele von 200 großen europäischen Konzernen sich auf ihren Websites zu international anerkannten CSR-Richtlinien bekennen. Das Ergebnis: Deutsche Firmen sind weit abgeschlagen in der Schlussgruppe. So bezogen sich nur drei der 20 untersuchten deutschen Unternehmen auf den UN Global Compact, die weltweit größte CRS-Initiative der Vereinten Nationen. Der Ethikpakt bekräftigt zehn universell anerkannte Prinzipien aus den Bereichen Menschenrechte, Arbeitsnormen, Umweltschutz und Korruptionsbekämpfung. Im Spitzenland Dänemark waren es 15 von 20 Firmen, in den anderen EU-Ländern im Schnitt sechs von 20.

Dabei gäbe es hierzulande durchaus Bedarf. Wie die Wirtschaftswissenschaftler Matthias Fifka und Stella Kraus herausfanden, sahen sich 58 Prozent der von ihnen befragten Führungskräfte der mittleren Managementebene schon einmal gezwungen, bei der Umsetzung von Vorgaben gegen ihre persönlichen Wertvorstellungen zu handeln.

Ein Hoffnungsschimmer: Mehr als zwei Drittel der Management-Studenten in Deutschland wünschen sich Ethik als Bestandteil ihrer Ausbildung, wie eine Umfrage der Bertelsmann-Stiftung unter MBA-Studenten ergab.

An dem Bankmanager Gribkowsky wäre diese Hilfestellung in Sachen Ethik vorbeigegangen, studierte er heute noch einmal dasselbe Fach wie zu Beginn seiner Karriere. Der Mann ist gelernter und promovierter Jurist.