Keiner der Experten, die an der Arena Analyse teilnahmen, meint, in der österreichischen Stromversorgung könne alles beim Alten bleiben. Klimawandel und Umweltverträglichkeit seien Faktoren, welche die Energiepolitik nicht ignorieren dürfe. "Wir optimieren unsere Stromversorgung und bauen alternative Energiequellen dazu. Gut so. Aber diese können ausfallen, wir brauchen für die Notfälle – Winter, wenig Wasser in den Flüssen, bewölkt, kein Wind – noch die klassischen Kraftwerke", argumentiert ein Befragter. Würden diese aber nur selten gebraucht, seien sie teuer. Und was teuer ist, lasse der Markt auf Dauer nicht zu.

Die beträchtlichen Förderungen für erneuerbare Energien dürften nicht zu lange gewährt werden, meint ein anderer Befragter. Da Förderungen den freien Wettbewerb verfälschen, entstünden dadurch höhere Preise, die auf die Endkunden abgewälzt würden. Preisdruck komme aber nicht nur aus dieser Ecke, meint die Ökonomin Agnes Streissler-Führer, sondern auch, weil eine neue Form der Energiegewinnung in großen Teilen Europas geächtet und politisch derzeit nicht durchsetzbar sei: "Der Abbau von Schiefergas in den USA bedeutet billigere Energie für die dortige Industrie – das führt zu einem Wettbewerbsnachteil für die europäische Produktion."

Der Klimaschutz-Experte Ingmar Höbarth sieht zahlreiche wirtschaftliche Chancen rund um die Energiewende, die Österreich nicht versäumen sollte. "Österreich ist ein Nischenland: Hier müssten am schnellsten neue Technologien und Produkte entwickelt werden, die wir für den Ausbau eines Energiesystems auf Basis von erneuerbaren Energiequellen brauchen." Es gebe bereits einige positive Beispiele wie neuartige Wechselrichter für smarte Netzwerke oder den in Kärnten ansässigen global führenden Hersteller von thermischen Solarkollektoren, die Wasser aufheizen. "Eine riesige Entwicklungschance eröffnet sich auch für die Automobilzulieferindustrie, die es in Österreich gibt, mit neuen Produkten für umweltfreundliche Mobilität, vor allem für Elektromobilität", findet Höbarth. "Leider fehlt für die rasche Umsetzung der Energiewende die langfristige Planungssicherheit für Investoren."