Das Herrliche, aber auch das Gemeine am Theater ist, dass sein Wesentliches nicht überliefert werden kann: das Spiel auf der Bühne. So kommt es, dass von den größten Bühnenkünstlern nur ein Name bleibt, der ab und zu, wie höhnischer Donnerschlag aus der Vergangenheit, von uns Heutigen vernommen wird, aber im Grund nichts mehr bedeutet: "Pallenberg! Gründgens! Korrrrtner!"

Aus der größten Ferne, die man sich vorstellen kann, dringt nun dieser Name zu uns: Iffland, gesprochen mit mindestens vier f. August Wilhelm Iffland (1759 bis 1814) war der erste wahre deutsche "Theatermacher". Es gab nichts, was er sich nicht zutraute: Er war Schauspieler, Theaterdirektor, Dramatiker. Bei der Uraufführung von Schillers Räubern gab er den Franz Moor, von 1796 bis zu seinem Tod leitete er das Nationaltheater Berlin. Goethe rühmte seine Einbildungskraft, Ludwig Börne allerdings schimpfte über Ifflands Dramatik: "Dreistündige Leiden, als wäre dies nichts bei der Kürze des menschlichen Lebens!"

Nun könnte Iffland so etwas wie Auferstehung im Gedächtnis der Deutschen feiern: Unermessliche Zeugnisse seines Schaffens sind aufgetaucht. Auf der Antiquariatsmesse Antiquaria in Ludwigsburg (23. bis 25. Januar) sollte das lange verschollene Korrespondenzarchiv Ifflands zum Verkauf angeboten werden: 6000 Schriftstücke in 34 Bänden, ein Vermächtnis. Zurzeit sind die Bände im Besitz des Wiener Antiquariats Inlibris, welches sie für 450 000 Euro anbieten wollte. Dazu wird es nicht kommen.

Es ist nämlich strittig, wer der rechtmäßige Besitzer der Dokumente ist. Einst gehörten sie zur Sammlung des Berliner Theatermuseums, das bis 1944 existierte. Um sie vor Kriegsschäden zu bewahren, wurden die Bestände ausgelagert, viele gingen in der Nachkriegszeit verloren. Inzwischen hat sich ein Finder zu erkennen gegeben: der Theaterwissenschaftler Hugo Fetting, ein langjähriger Mitarbeiter der Akademie der Künste der DDR. Er habe die Iffland-Konvolute, so erzählte er jetzt der Süddeutschen Zeitung, 1953 auf einer Müllhalde in Berlin gefunden. Ende 2012 verkaufte er seinen Haldenfund an das Antiquariat Inlibris – für 50 000 Euro, wie er der SZ sagte.

Nun herrscht Chaos: Die Berliner Akademie der Künste erkennt das Eigentumsrecht von Inlibris am Iffland-Schatz an, die Berliner Senatsverwaltung hingegen zieht es massiv in Zweifel. Sie hat "Strafanzeige gegen unbekannt sowie insbesondere gegen Herrn Dr. Hugo Fetting" gestellt. Fraglich, ob die historischen Zeugnisse je ans Licht der Öffentlichkeit kommen. Es droht langer juristischer Streit. Wir hoffen, dass er ein gutes Ende findet, und lesen derweil Iffland. In seinem Drama Die Jäger steht: "Gut getragne Widerwärtigkeit ist auch Glück."