Das vergangene Jahr hatte verdächtig gut aufgehört für die CDU in Brandenburg. Man kann das so sagen, weil Brandenburgs CDU eine geschundene Partei ist und selten erlebt, dass mal etwas wirklich gut ausgeht. Seit 1990 hat sie ja keine echte Machtperspektive, von gelegentlichen Regierungsbeteiligungen als Juniorpartnerin der SPD abgesehen. Die Christdemokraten schmoren in der Opposition. Rot-Rot regiert. Dominiert.

Verkehrte Welt ist das, angesichts der Verhältnisse im Rest der Merkel-Republik; und es gab lange wenig Hoffnung für die Union – wäre da nicht der September 2013 gewesen. Der Moment, in dem die CDU sogar im roten Brandenburg Aufwind bekam.

Bei der Bundestagswahl gewann sie alle Brandenburger Wahlkreise bis auf einen (den des SPD-Promis Frank-Walter Steinmeier). Sie war plötzlich auch nach Zweitstimmen stärkste Kraft: mit 34,8 Prozent, elf Prozentpunkten mehr als zur Bundestagswahl 2009. CDU erobert Brandenburg, titelte die Märkische Allgemeine: "Die Mark wählt Schwarz".

Brandenburg wählt Schwarz? Unerhört. Einige Fragen waren auf einmal keine albernen mehr: zum Beispiel die, ob im neuen Plenarsaal nach der Landtagswahl am 14. September 2014 radikal umgebaut werden muss, weil sich die Mehrheitsverhältnisse ändern.Weil die CDU nicht mehr dritte Kraft sein wird hinter SPD und Linken, sondern – Achtung – den Regierungschef stellt.

Man ist schnell wieder verunsichert, als CDU in Brandenburg

Das Ergebnis der Bundestagswahl, verkündete Michael Schierack, 47, CDU-Spitzenkandidat für die Landtagswahl, "übersteigt meine kühnsten Träume". Und: "Ich möchte dieses Land gerne regieren." Die erste Sonntagsfrage nach der Bundestagswahl, Anfang Dezember, bestärkte ihn. Es sah so aus, als ließe sich das gute Ergebnis im Großen und Ganzen auf Brandenburgs Landespolitik übertragen. Es roch alles ein bisschen nach Revolution.

Die Unionspolitiker überraschte das selbst am meisten. "Wir waren ja alle völlig perplex am Wahlabend", sagt etwa der CDU-Landtagsabgeordnete Henryk Wichmann. "Schauen Sie in meine Heimat, die Uckermark. Die war immer SPD-Hochburg. Plötzlich holen wir dort 40 Prozent! Das hatte keine einzige Umfrage vorhergesagt. Das hatte niemand für möglich gehalten."

Das Problem ist: So gut das Jahr 2013 für die CDU endete, so schlecht begann 2014. Es würde nicht zur Leidensgeschichte dieser Partei in diesem Bundesland passen, wenn ihre Hochgefühle lange anhielten.

Vor wenigen Tagen wurde eine neue Wahlumfrage öffentlich, nun durchgeführt vom Institut Forsa. CDU: 23 Prozent. Linke: 25 Prozent. SPD: 34 Prozent. Würde der Ministerpräsident direkt gewählt, bekäme SPD-Amtsinhaber Dietmar Woidke satte 54 Prozent. Nur vier Prozent würden Michael Schierack wählen, den CDU-Landeschef. Die Traumkoalition der Brandenburger laut Forsa: Rot-Rot. Schon ist das ganze neue Selbstvertrauen der CDU, die ganze Aufbruchstimmung vorläufig passé.