Dass Ursula von der Leyen vor ihrem Amtsantritt den Unterschied zwischen MP-5 und MP3 nicht kennen musste, der Maschinenpistole und der Musikkompression, wäre ihr nicht vorzuwerfen. Bis auf Helmut Schmidt und Volker Rühe hatte kein frischer Verteidigungsminister viel Ahnung vom Kriegshandwerk. Ebenso wenig darf man der früheren Arbeits- und Familienministerin ihre Charaktertreue ankreiden. Ihre Karriere beruht auf einem feinen Gespür für "angebotsorientierte Politik", die mit staatlichen Wohltaten Wählergruppen bindet. Solche Geschenke gehören zum Wesen aller Parteipolitik – seit Kaisers Zeiten.

In dieser Tradition steht auch von der Leyens Ankündigung, ihre neue Klientel – die Soldaten – zu bedienen. Sie will den "Bund" zum "attraktivsten Arbeitgeber" Deutschlands machen, der für die "Vereinbarkeit von Dienst und Familienleben" sorgt, für eine "verlässliche Karriereplanung", für "Kinderbetreuung", "Tagesmütter", "Teilzeit" und "Flexibilität". Gar am selben Standort. Die US-Marine zapfte immerhin die Reiselust an: "Lern die Welt kennen. Komm zur Navy." Aber: Die "ist nicht für jedermann".

Die Ideen der Ministerin sind prächtig, zumal die Bundeswehr wie jegliche Freiwilligenarmee Rekrutierungsprobleme hat. Im Wettbewerb um Talent muss sie gegen Firmen und Behörden antreten. Und dennoch zeichnet von der Leyen ein allzu hübsches Bild. Das Militär unterscheidet sich von allen anderen Berufen durch einen hässlichen Umstand: Der Soldat tötet und wird getötet für sein Land. Der Krieg kennt weder Teilzeit noch Tagesmütter.

Daraus folgen andere unangenehme Erfordernisse: Todesmut, Gehorsam und Disziplin. Im Kampf helfen weder Betriebsrat noch Arbeitsgericht, sondern nur das bessere Training, die überlegene Ausrüstung und die unbedingte Zuverlässigkeit des Kameraden zur Linken und zur Rechten. Staatliche Fürsorge heißt vorweg: die perfekte Verwundeten-Versorgung, der rasche Abtransport ins Lazarett, die besten Ärzte.

Davon redet die Verteidigungschefin nicht, auch nicht von der Tatsache, dass die Bundeswehr höchstens bedingt kampfbereit ist. Sie redet nicht von der ewigen Reform, wo die eine bloß zur nächsten führt. Oder von den nicht vorhandenen Waffensystemen, welche die Truppe vor Tod und Verkrüppelung schützen würden. Deren Beschaffung ist die vornehmste Aufgabe der Führung. Die Ministerin suggeriert eine Verheißung, die sich nicht erfüllen lässt: dass die Bundeswehr eine nette öffentliche Institution sei wie Post, Bahn und Einwohnermeldeamt.

Und doch gehorcht dieses Gaukel-Bild einer immanenten Logik. Dieses Land will kein Militär, das der Politik als Instrument dient. Es sucht Sicherheit in der Friedfertigkeit und hält sich eine schrumpfende, unterfinanzierte Armee, die nicht kämpfen muss. In diesem Sinne sticht die Kasernen-Kita naturgemäß die Kampftruppe aus, vom besten Gerät ganz zu schweigen. Die Unternehmenskultur schlägt das Ethos des Militärischen, aber mit ihrer feinen Witterung weiß sich die Ministerin im Einklang mit der öffentlichen und veröffentlichten Meinung.

Wünschen wir ihr, dass die Bundeswehr nicht in die Verlegenheit gerät, kämpfen zu müssen. Noch besser wäre es, den Krieg outzusourcen – wie es Frankreich, das einst die Massenarmee erfunden hat, mit seiner Fremdenlegion tut.