Es war ein Vorhaben, das scheitern musste: Um die amerikanische Waffenindustrie zu schwächen und Rüstungsexporte nach Großbritannien zu verhindern, versuchte Constantin Dumba, k. u. k. Botschafter in den USA, zu Beginn des Ersten Weltkrieges Streiks unter den Arbeitern in der amerikanischen Rüstungsindustrie anzuzetteln. Das Vorhaben flog auf, und Dumba wurde von der US-Regierung zur Persona non grata erklärt. Gedemütigt und zur Witzfigur degradiert, bestieg er am 5. Oktober 1915 den Dampfer New Amsterdam in New York.

"Ich unterwarf mich mit gutem Willen dem letzten Überfall der Photographen und Reporter auf dem Pier, die mich, des besseren Lichtes wegen, baten, einige hundert Schritte bis zum Ende desselben zu gehen", schrieb er in seinem letzten Bericht nach Wien. Tagelang machten sich die Zeitungen über den Diplomaten lustig.

Der hatte bald andere Sorgen: Nur ausnahmsweise durfte die New Amsterdam die britische Seeblockade passieren, die Wasserminen blieben eine unabwägbare Gefahr, und die britischen Anweisungen, wie diese zu umschiffen seien, waren lapidar. "Ich solle mich bis zu einem gewissen Punkte in einer Distanz von einer Seemeile von der Küste halten", meinte der Kapitän zu Dumba, "und dann im rechten Winkel nach Holland abbiegen" – ein Himmelfahrtskommando. Nur mit viel Glück erreichte der geschasste Diplomat den Kontinent. Es war die entwürdigende Heimfahrt des letzten k. u. k Botschafters in den USA.

Der frühere österreichische Botschafter in Äthiopien Rudolf Agstner hat 42 bislang unbekannte Reiseberichte von Diplomaten ediert, die zwischen 1808 und 1918 entstanden waren, vom Beginn des Kaisertums Österreich bis zum Untergang der österreichisch-ungarischen Monarchie. Sie erscheinen nun als Buch: Die Hitze ist hier wieder kolossal ... ist ein Fundus außenpolitischer Petitessen, amüsanter Anekdoten und vergessener Geschichten – vom österreichischen Aufpasser Napoleons auf St. Helena über einen Diplomaten, der in der Nähe von Chicago aus dem Zug fällt, bis zum Krieg mit Marokko.

Es ging über einen kleinen Affront hinaus, als im Sommer 1829 das Triestiner Handelsschiff Veloce auf der Fahrt nach Rio de Janeiro einem marokkanischen Korsaren in die Hände fiel. Die Ladung wurde gekapert und die Besatzung versklavt. Mehrere österreichische Kriegsschiffe sollten die Tat rächen. Sie blockierten und beschossen mehrere Häfen, darunter Tanger, und legten zwei Kaperschiffe in Schutt und Asche.

Um den anschließenden Friedensvertrag zu unterzeichnen, schickte Staatskanzler Metternich eine Gesandtschaft zum Sultan von Marokko. Der ließ der Delegation eine besondere Ehre zuteil werden: Die Österreicher sollten eines seiner Schlösser als Unterkunft beziehen. "Wir fanden es geräumig und seine Lage ungemein reizend", schrieb Wilhelm von Pflügl, der Leiter der Abordnung nach Wien. Doch der erste Eindruck war trügerisch, denn "die Gemächer waren weder mit Betten, noch anderen Einrichtungsstücken versehen". Auf Feldbetten sollten die Diplomaten schlafen. Eine bewusste Demütigung oder nur kultureller Unterschied? Darüber gibt der Bericht keine Auskunft. Pflügl und seine Mannen flüchteten eilig und mieteten ein Haus "nahe am Hafen". Überhaupt war die Abordnung wenig angetan von Nordafrika, der Kontrast zum "gebildeten Europa" sei unbeschreiblich und die "breiten marokkanischen Sättel" der Maultiere sowieso viel zu beschwerlich für die lange Reise durch die Wüste.

Die Diplomatie war lange Zeit den gehobenen Schichten vorbehalten, Menschen mit viel Zeit und genügend Geld. Die Aufwendungen waren selbst zu tragen, zunächst sogar die Reisekosten – bis im Jahr 1792 Ignaz Rutter zum Konsul auf der Krim ernannt wurde. Sein Privatvermögen reichte allerdings nicht für eine standesgemäße Anreise. Staatskanzler Cobenzl schlug Kaiser Franz II. vor, "ob ihm nicht zu einer Aushülf soviel als ein Kurierritt betraget von dem Universal-Kameral-Zahlamte gegen dessen Quittung bezahlet werden darf" – die Geburtsstunde der rückvergüteten Dienstreisen.