Welch dümmliche Vorurteile musste sich der neue Außenminister wegen seines jugendlichen Alters anhören. Das ist in einer Zeit des verkrampften Jugendwahns umso erstaunlicher. Männer weit jenseits der Lebensmitte färben sich ihren Haarschopf und wähnen, dadurch auf ihre Umwelt jung und voll im Saft stehend zu wirken. Aber gleichzeitig soll einer, der tatsächlich jung an Jahren ist, das Amt des obersten Diplomaten der Republik nicht ausüben dürfen? Zumal er ja ohnehin ziemlich abseits der internationalen Wahrnehmung agiert und ähnlich stark in den Fokus der weltweiten Aufmerksamkeit geraten dürfte wie das regelmäßig die somalische Rodelmeisterschaft tut. Allein, es ließ die Lästermäuler nicht verstummen. Doch nun ließ der junge Herr, der neuerdings einen Schlips trägt, der die Würde seines Amtes unterstreicht, mit einer Erklärung aufhorchen, die alle Kritiker endgültig zum Schweigen bringen sollte. Auf die Frage, wie lange er sich noch in der Politik sähe, entgegnete er, es gäbe noch keine Pläne für seine zweite oder auch seine dritte Lebenshälfte. Die dritte Lebenshälfte ist bekanntlich nur wenigen, sehr speziellen Menschen vorbehalten. In manchen Kulturen, etwa in jener der alten Mayas, dachte man, die dritte Lebenshälfte sei bereits eine transzendente Erfahrung. Was im Fall des Nachwuchspolitikers aus dem Außenamt wohl kaum zutreffen dürfte. Denn so mühsam und unerfreulich die Koalitionsverhandlungen auch gewesen sein mögen, als Nahtoderfahrung kann man sie nun doch nicht bezeichnen. Allerdings steigt angesichts dieser Perspektiven die Lust auf mehr. Zum Beispiel die Einteilung des Kalenderjahres in fünf Quartale. Dieser neue, fiskalianische Kalender bedeutete für das Finanzamt und die nimmersatten Sozialversicherungen eine kopernikanische Wende. Man könnte auch den 30-Stunden-Tag einführen. So würden die Menschen langsamer altern, und die Frage des Pensionsantrittsalters wäre vom Tisch. Auf ähnliche Gedanken wären selbst die nicht gerade zimperlichen Mayas keinesfalls gekommen.