Auf Haare im Wandel der Zeiten richtet die Gesellschaftskritik schon immer ihr besonderes Augenmerk. Wir haben das Aussterben des Justin-Bieber-Ponys journalistisch begleitet, wir berichteten, als der Hipster-Bart im Gesicht von Ingo Zamperoni in den Tagesthemen auftauchte; und es war uns eine Selbstverständlichkeit, Jürgen Klopp nach dem Bekanntwerden seiner Haartransplantation Mut zu machen. Zum Beginn des Jahres, wenn die Menschen ihr Haar noch unter Mützen verstecken, wagen wir deshalb eine kleine Haaresvorschau:

Für den Undercut könnte es ein Schicksalsjahr werden. 2012 noch Avantgarde, wurde er 2013 schon vom Großteil der Fußballprofis (Götze, Gündoğan, Jérôme Boateng) getragen. 2014 kommt er entweder aus der Mode, weil er als Distinktionsmerkmal nicht mehr taugt, oder er wird, wenn während der Fußball-WM Milliarden Menschen vier Wochen lang seinem Anblick ausgesetzt sind, zu dem, was in den Achtzigern der Vokuhila war: der Schnitt eines Jahrzehnts.

Der Imam-Bart wurde 2013 von Bushido und Kevin-Prince Boateng als Accessoire für die Rolle des schlecht gelaunten Migranten entdeckt. Wenn jetzt noch mehr schlecht gelaunte junge Männer den "Imam" adaptieren, könnte ihm der Sprung in den Mainstream gelingen.

Klicken Sie auf das Bild, um weitere Artikel der Serie "Gesellschaftskritik" zu lesen. © Frazer Harrison/Getty Images

Der Schrat: ursprünglich bekannt geworden durch extrem schlecht gelaunte Zivilisationskritiker (Unabomber, Horst Mahler). Inzwischen signalisieren Leute wie Kai Diekmann mit dem Look, dass sie nach ein paar Monaten in Kalifornien die Leistungsgesellschaft kritisch betrachten. Falls Aussteiger wie Westerwelle nachziehen, könnte The Schrat aufblühen.

Jürgen Klopp hat es vorgemacht: Man kann aussehen wie ein frisch geschiedener Automechaniker, der gerade in Trainingshose vom Sofa zur Mikrowelle schlurft, um sich eine Heiße Hexe aufzuwärmen, und trotzdem Wert auf schönes Haar legen. Wird die Haartransplantation für Männer außerhalb der Unterhaltungsbranche so normal wie die Verwendung von Duschgel? Zukunftsforscher achten in den kommenden Monaten auf Arjen Robben, Tebartz-van Elst, Prinz William.