Es gibt Aufschub: Vergangene Woche hat die EU-Kommission Unternehmen und Vereinen aus 33 europäischen Ländern sechs weitere Monate eingeräumt, um ihre IT und Buchhaltung auf das neue einheitliche System für Überweisungen und Lastschriften umzustellen. Am 1. August aber sei Schluss, ehrlich, warnt die EU.

Ehrlich? An Ehrlichkeit fehlt es dann doch bei diesem Thema für Technokraten, das nun zur Posse für das breite Publikum mutiert ist.

Zunächst einmal erinnern die Probleme bei Sepa und Iban an die Steuererklärung: Jeder weiß, dass er sich drum kümmern muss, keiner hat Lust drauf, und so schieben viele sie so lange vor sich her, bis die Frist abgelaufen ist. Insofern ist die Nachlässigkeit bei den Überweisungen, nun ja, nur allzu menschlich.

In Deutschland geht es um 3,6 Millionen Unternehmen und 580.000 Vereine, die sich kümmern müssen. Dass es unter ihnen viele geben würde, die es nicht rechtzeitig schaffen, war zu ahnen. Dem Fußballclub oder dem Bäcker an der Ecke ist nur schwer verständlich zu machen, dass Sepa, die Single Euro Payment Area – eine Zone für Zahlungen in Euro –, Vorteile bringt. Jaja, die Konzerne und Mittelständler, die international tätig sind, haben einiges davon, wenn das Geld über Grenzen hinweg schneller und billiger fließt, das ist schon klar. Aber dass es auch um Mitgliedsbeiträge und die innerdeutsche Abbuchung der Stromkosten geht, dämmerte vielen wohl erst spät.

Um einmal praktisch zu werden: Verbraucher können noch bis zum 1. Februar 2016 ihre alten Kontodaten angeben, wenn sie eine Überweisung tätigen. Daueraufträge stellt die Bank automatisch um. Und bei Lastschriften liegt es am Zahlungsempfänger, die Daten umzustellen und den Verbraucher zu informieren. Der sollte prüfen, ob er dem Zahlungsempfänger überhaupt eine Einzugsermächtigung erteilt hat und ob die Iban korrekt ist. An dieser Stelle aber wird schon klar, dass sich einige Zeit gelassen haben. An wie viele Informationsschreiben dieser Art können Sie, lieber Leser, sich erinnern, vom Stromanbieter, vom Sportverein, von Ihrer Zeitung? Eben.

Interessant ist, wie schnell sich die Stimmung gedreht hat. Was haben die Verantwortlichen gezetert und gedroht: Der Bundesverband deutscher Banken zeigte sich noch kurz vor dem Jahreswechsel "äußerst beunruhigt", die Lage sei "besorgniserregend", ja "alarmierend". Man könne "keine Entwarnung" geben, warnte die Bundesbank, es gebe keinen Plan B. Statt sich nun über den Plan B, den Beschluss der EU-Kommission, zu freuen, äußert die deutsche Kreditwirtschaft Unverständnis, auch Bundesbank und Bundesregierung tun so, als sei mit der Umsetzung der EU-Verordnung Nummer 260/2012 alles auf dem Weg gewesen. Deutschland gibt den Musterschüler, obgleich es nach vielen Statistiken mehr Nachhilfe nötig hat als andere Länder. Entschuldigen Sie, liebe Banker und Politiker, das kaufen wir Ihnen nicht ab.

Die Bürger sind nur wenig besser. Sie erfreuen sich seit Wochen am eigenen Genöle, dass sich keiner die 22-stellige neue Iban, die International Bank Account Number, merken könne. Die Medien, die sich jetzt mokieren, konnten sich auch nur mit Mühe begeistern. "Iban, die Schreckliche" nannten sie das Unterfangen, aber das war wirklich ein Witz von Finanzjournalisten für Finanzjournalisten. Und nun? Wird wahrscheinlich alles mit ein wenig Verspätung klappen. Genauso wie die Steuererklärung doch beim Finanzamt landet.