Dass Unwort selbst ein Unwort ist, hindert die Unwort-Jury nicht daran, jährlich ein anderes Unwort zum "Unwort des Jahres" zu küren. Dieses Mal hat es den Sozialtourismus erwischt. Der Sozialtourismus ließ das Supergrundrecht und die Homo-Ehe ebenso hinter sich wie die Ausschließeritis und sein eigenes Synonym, die Armutszuwanderung. Unsere Lieblings-Unwörter Kaffeedurst, Selbstpflücke, fußkalt und Horst gingen auch in diesem Jahr wieder einmal leer aus. Sie haben halt kein Opfer-Abo (UdJ 2012), sie sind Sinnbild einer Überfremdung (1993) – und auch nicht so alternativlos, wie alternativlos es 2010 war.

Aus Unwörtern des Jahres lassen sich zwar fromme Wünsche formulieren: "Der Kollateralschaden (1999) des Gotteskriegers (2001) ist sein sozialverträgliches Frühableben (1998)." In aller Regel sind diese Satzgefüge aber entweder formelhaft – "Je höher die Entlassungsproduktivität (2005) notleidender Banken (2008), desto betriebsratsverseuchter (2009) das Humankapital (2004)". Oder aber Ausdruck entgrenzter Empörungsbereitschaft: "Im ausländerfreien (1991) Wohlstandsmüll (1997) eines Tätervolkes (2003) findet man bei ethnischen Säuberungen (1992) in national befreiten Zonen (2000) keine Peanuts (1994), sondern Rentnerschwemme (1996), Diätenanpassung (1995) und Herdprämie (2007)."

Für dieses Jahr kündigt sich eine Premiere an. Wenn alles so weiterläuft wie bisher, wird 2014 erstmals ein Begriff zum Unwort des Jahres gekürt, der im Jahr zuvor als Wort des Jahres geboren wurde: GroKo.