Wer ist der Nächste? Die Liste der Politiker, die Beruf und Familie besser vereinbaren wollen, wird täglich länger. Ronald Pofalla und Jörg Asmussen, der Ex-Kanzleramtschef und der Ex-EZB-Direktor, haben ihre jüngsten Jobwechsel damit begründet, dass sie mehr Zeit für ihre Lieben brauchen, SPD-Chef Sigmar Gabriel will den Mittwochnachmittag für seine Tochter freihalten. Die Ministerinnen Manuela Schwesig, Andrea Nahles und Ursula von der Leyen kündigten an, anderen Eltern zu mehr Zeit mit Kindern zu verhelfen – mit Lohnzuschüssen für Teilzeitstellen, weniger Anwesenheitspflicht im Job, Kitas in Kasernen.

Das ist neu. Die alte Regierung litt noch darunter, dass die Ministerinnen von der Leyen und Schröder familienpolitisch in verschiedene Richtungen strebten. In der neuen Regierung aber überbieten sich die Mitglieder beim Thema Familienfreundlichkeit gegenseitig.

Das ist schön, weil es zeigt, dass sich Männer mittlerweile mit Interesse an ihren Kindern und Partnern profilieren können. Väter, die Schlaflieder singen und Kinderchor-Aufführungen beklatschen, werden nicht mehr belächelt. Das ist eine gute Nachricht für Männer, die mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen wollen.

Ansonsten ist viel Skepsis angebracht. Als Sigmar Gabriel im vergangenen Sommer seine sogenannte Babypause einlegte, um Zeit mit seiner neugeborenen Tochter zu verbringen, gab er mehr Interviews denn je. Wie oft seine Tochter ihn tatsächlich sieht, wird sich deshalb erst noch zeigen.

Asmussen, der mittlerweile als Staatssekretär im Berliner Arbeitsministerium eine Rentenreform vorbereitet, wird nachgesagt, er wolle sich mit dem Wechsel nach Berlin für eine Karriere in der Bundespolitik in Stellung bringen. Und wer wie Pofalla ankündigt, er brauche Zeit für seine Freundin, um dann einen hoch dotierten Vorstandsposten anzustreben, darf sich über hämische Kommentare nicht wundern.

Dass Manuela Schwesig plötzlich für eine staatlich geförderte 32-Stunden-Woche wirbt, passt ins Bild. Wäre der SPD dieses Projekt wirklich ein Anliegen, hätten Gabriel und Schwesig es bei den Koalitionsverhandlungen durchsetzen können. Doch dort wurde viel mehr Geld für Rentner eingeplant als für Kinder. Die Familienfans zeigen, wie sehr sich die Erwartungen von Wählern und Medien verändert haben – mehr aber auch nicht.