Noch eben waren wir jung. Nun sah ich seinen Sarg, blumenüberschüttet, im Mittelkreis des Estádio da Luz von Benfica Lissabon. Im Stadion des Lichts trauerten die Portugiesen um ihren König. Und weinten auf den Straßen, als sie die Nachricht hörten: Eusébio ist tot.

Eusébio Ferreira da Silva verdanke ich jenes unvergessliche Fußballspiel, das ich niemals sah. Ich hörte es, aus Liverpool, via Radio DDR, am 23. Juli 1966. In England war Weltmeisterschaft. Jedes Kind wusste, dass Brasilien und König Pelé unschlagbar wären. Dann scheiterten die Champions 1 : 3 am Neuling Portugal. Pelé traf nicht, Eusébio, der neue König, doppelt. Unfassbar war auch Italiens Aus – gegen Nordkorea! Die Sensationssieger begegneten sich im Viertelfinale. Ich erwartete ein 7 : 0 für Portugal. In der ersten Minute traf Pak Seung Zin, in der 22. Minute Li Dong Woon, in der 25. Minute Yang Sung Kook.

Portugals letzte Hoffnung hieß Eusébio. Der König zerriss sich und schoss vier Tore. Portugal siegte 5 : 3. "Noch einmal", verlautbarte das Magdeburger SED-Bezirksorgan Volksstimme, "gelang es den erfahrenen Berufsspielern, die ›Ehre‹ des Berufsfußballs zu retten. Doch wie lange noch, dann werden solche Länder, die sich vom Imperialismus und Kolonialismus befreit haben wie die Koreanische Volksdemokratische Republik, ein gewichtiges Wort mitsprechen, weil sie in ihren Ländern dem Volkssport eine Heimat gaben."

Im Halbfinale unterlag Portugal England 1 : 2. Eusébio weinte fassungslos in sein Trikot. England wurde Weltmeister. Vier Jahre später triumphierten wieder Brasilien und Pelé. Erst bei der WM 2010 traf Portugal abermals auf Nordkorea. Und siegte 7 : 0, mit Ronaldo. Aber die ganze Welt sah, dass der Gockel kein König ist.