Der Umgang mit Alkohol ist bekanntlich riskant. Nun aber zeigt ausgerechnet die Champagnermarke Krug, wie verheerend er wirklich sein kann. Mein Favorit für die dümmste Produktinnovation des Jahres ist schon jetzt: "The Krug Shell".

Krug bietet eine edle Geschenkkiste an, die eine Flasche Grande Cuvée, zwei Champagnergläser und ein von Hand nummeriertes Exemplar von "The Krug Shell" enthält. Damit ist ein kleines Hörrohr aus weißem Porzellan gemeint, das man aufs Glas setzen und sich gemeinsam mit diesem ans Ohr halten soll, um dem Blubbern des Champagners zu lauschen. Bei Krug weiß man: "Verbindet The Krug Shell das Glas mit dem Ohr, hallt der Klang der aufsteigenden Blasen in einer gleichsam erwarteten, aber auch überraschenden, wunderbaren Art und Weise nach ..."

Kaufen kann man diese "limitierte Edition" in "den prestigeträchtigsten Weinläden der Welt", wo man zugleich jenen neureichen Snobs begegnet, die auf so etwas Wert legen. Auch Laien erkennen das Ding sofort, weil "The Krug Shell" an diese billigen Inhalationsgeräte aus Plastik erinnert, die man manchmal in Apotheken geschenkt kriegt, wenn man Hustensaft kauft. Würde ich sagen. Wer es nicht glaubt, möge sich durch den Internetauftritt krug.com klicken, da gibt’s Bilder davon. Und, nein: Ich bin nicht betrunken.

Apropos, liebe Krug-Leute: Wer, der nicht schon besoffen beim prestigeträchtigsten Weinhändler zur Tür hereinkommt, kauft Euch das ab? Sind Eure Kunden derart dekadent? Dann sollten sie wirklich mit dem Trinken aufhören, aber wollt Ihr das ernsthaft? Als Marke des französischen Luxusgüterkonzerns LVMH möchte ich Euch mein Mitleid aussprechen. Wenn etwas den Niedergang der großen und stolzen Nation Frankreich befördert, dann sind es die Schnapsideen seiner Champagnerhersteller.