Zwei Dinge, die an diesem Buch toll sind. Erstens: Endlich gibt es eine Erklärung für die kafkaesken Verwirrspiele in Telefonschleifen, die uns in den Wahnsinn treiben. Die Algorithmen sind schuld! Der Computer erkennt für den überforderten Callcenter-Mitarbeiter Schlüsselwörter und bietet ihm Lösungswege an. Wenn die nichts bringen? Sind alle hilflos. Zweitens: Der Mindestlohn ist eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für Roboter. Firmen suchen lieber nach technischen Lösungen, um Menschen zu ersetzen, als dass sie den Menschen einen anständigen Lohn bezahlen. Ansonsten? Viele Seiten für wenige, allbekannte Thesen: In Industrieanlagen wird immer mehr automatisiert. Oha! Die Menschen, die noch da sind, müssen nur noch ran, wenn Maschinen versagen. Oha! Auch in Zukunft werden, siehe oben, immer mehr Menschen durch Maschinen ersetzt. Doppeltes Oha!

Constanze Kurz und Frank Rieger, Sprecher des Chaos Computer Clubs, sind seit Jahren das menschgewordene Technikgewissen der Nation. Ihr Kampf gegen den digitalen Analphabetismus ist beachtenswert. Aber dieses Buch? Ist nicht so doll. Es soll eine Reise sein "zu den Maschinen, die uns ersetzen". Hört sich nach Großreportage an, nach ganz nah ran an Menschen und Maschinen. Die Autoren haben sich auch auf Bauernhöfen, in Mühlen, bei Mähdrescherherstellern umgesehen, doch das wegrationalisierte Wesen bleibt abstrakt. So wie die Kernaussage dieses Buches: Tausende von Arbeitsplätzen sind durch Automatisierung bedroht. Kurz und Rieger wollen keine Kulturpessimisten sein, sondern einen "Weg in eine positive, zukunftszugewandte und technologiebejahende Zukunft" gehen. Das wollen immer alle. Nur wie? Die Antwort: ist offen.