Schließlich griff er doch noch zur verbalen Keule. In einem Interview mit der Schweiz am Sonntag donnerte Christoph Blocher: "Es herrscht eine Art Pogromstimmung gegen uns". Er meinte damit sich und seine Partei, die SVP.

Es war der Versuch, in der letzten Phase des Abstimmungskampfs über die Masseneinwanderungsinitiative noch einmal Stimmung zu machen; und dem Mann aus Herrliberg ist bekanntlich jede Stillosigkeit recht, solange sie seinem Zweck dient. Es war auch ein Versuch, die Partei wieder auf Kurs zu zerren: Weg von der Vernunft, zurück zum Poltern.

Doch dafür dürfte es zu spät sein.

Die Masseneinwanderungsinitiative der SVP, über die wir am 9. Februar abstimmen, will die Personenfreizügigkeit abschaffen und mit Kontingenten regeln, wie viele Menschen in die Schweiz kommen dürfen. Nicht der Markt, sondern der Staat soll die Zuwanderung steuern. Ihre Gegner befürchten, die Initiative würde das Land in die Isolation treiben.

Und die Umfragen verheißen für das Vorhaben nichts Gutes. 55 Prozent der Schweizer Stimmbürger lehnen die Initiative ab, ermittelte das Forschungsinstitut gfs Bern in einer Umfrage. 37 Prozent sind dafür und acht Prozent wissen noch nicht, was sie in die Abstimmungsurne legen werden.

Dabei war das Bett für das SVP-Anliegen gemacht. Kein Thema bewegt die Schweiz in den letzten Jahren derart wie die Zuwanderung. Kaum ein Tag vergeht, ohne dass über die Migration und ihre Folgen berichtet würde. Stau auf den Autobahnen, Platznot in den S-Bahnen, unbezahlbare Wohnungen in den Städten und der steigende Druck auf die Löhne. Die Schlagzeilen wurden zu Sinnbildern für ein Land, das aus allen Nähten zu platzen droht. Tatsächlich erlebt die Schweiz das höchste Bevölkerungswachstum seit den sechziger Jahren. Sie wächst jährlich um die Größe der Stadt Luzern.

"Maß halten" lautet das Motto der Einwanderungsinitiative

Frühere Volksbegehren, die eine Beschränkung der Zuwanderung forderten, galten bis ins bürgerliche Lager als "menschenverachtend". Wer im Jahr 2000 die 18-Prozent-Initiative unterstützte, die eine fixe Obergrenze für den Ausländeranteil forderte, galt als "Brandstifter", der mit der Flamme des Rassismus spielte. Heute hat die Stimmung gedreht.

Nun heißt es von links bis rechts: Nein, aber.

Nein, wir wollen die bilateralen Verträge mit der EU nicht kündigen. Nein, wir wollen die Personenfreizügigkeit nicht aufs Spiel setzen und damit unseren Wohlstand gefährden. Aber so wie bis anhin kann es nicht mehr weitergehen.