In Nordrhein-Westfalen ist ein Krieg ausgebrochen – wegen eines Gesetzes. Wissenschaftsministerin Svenja Schulze (SPD) hat Ende November den Entwurf für ein neues Hochschulgesetz vorgelegt, das die Autonomie der Unis einschränken und dem Land wieder mehr Mitbestimmung ermöglichen soll. Etwa darüber, welche Studiengänge wo angeboten werden. Die Ministerin findet, dass die Unis ihre bisherige Freiheit nicht zum Wohle des Landes genutzt hätten. Belegen kann sie das nicht. Die Unis hingegen verweisen darauf, dass sie bislang sehr erfolgreich Forschungsgeld eingeworben und den Ansturm von Studenten bewältigt hätten.

Der Entwurf wirkt auf die 37 staatlichen Unis und Hochschulen im Land wie ein hingeworfener Fehdehandschuh. Sie sind, zu Recht, empört über das Misstrauen, das ihnen entgegengebracht wird, und sie fürchten, wieder ans ministerielle Gängelband genommen zu werden. In den vergangenen Wochen hat sich eine breite Protestfront gegen das Vorhaben gebildet. Rektoren, Professoren, Hochschulräte und Unternehmensvertreter, ja sogar Studenten wehren sich. Wann hat es zuletzt so eine Allianz gegeben?

Die Ministerin hat die heftigen Reaktionen offenbar unterschätzt, sie fühlt sich missverstanden. Die Uni-Chefs wiederum zeigen sich bockig und weigern sich etwa, die anstehenden Ziel- und Leistungsvereinbarungen mit dem Land zu unterzeichnen. Es werden kaum noch Gespräche geführt, aber Dutzende Briefe und Stellungnahmen hin und her geschickt.

Ein Schlagabtausch in dieser Form und Heftigkeit ist beispiellos in der deutschen Hochschulgeschichte. Und er droht das Klima zwischen Ministerium und Unis nachhaltig zu vergiften. Alle sind beleidigt und enttäuscht voneinander. Dabei müssten sich beide Seiten rasch wieder aufeinander zubewegen und miteinander reden, um nachhaltigen Schaden vom Wissenschaftsstandort NRW abzuwenden. Es wäre Zeit für ein Machtwort von Ministerpräsidentin Hannelore Kraft, die 2004, als sie selbst Wissenschaftsministerin war, den Weg bereitet hat für mehr Hochschulautonomie.