Jacke im Bomber-Schnitt von Dries Van Noten, 750 Euro © Peter Langer

Wenn in Deutschland von Bomberjacken die Rede ist, dann meist nicht im Kontext der Mode. Sie stehen hierzulande für dumpfe Gewalt und Rechtsextremismus. Anfang der 2000er Jahre forderte die damalige Familienministerin Christine Bergmann sogar ein Verbot für Bomberjacken in Schulen. Und tatsächlich vermutet niemand, der auf der Straße eine Gruppe junger Männer in Bomberjacken sieht, einer Versammlung von Fashion Geeks zu begegnen. Dabei ist die Bomberjacke ein gründlich missverstandenes Kleidungsstück.

Dries Van Noten hat ihr gerade einen Auftritt bei der Präsentation seiner Sommerkollektion verschafft – mit Keulenärmeln. Auch Marc Jacobs’ Zweitlinie Marc by Marc Jacobs enthält eine taillierte Nylonjacke, deren Schnitt stark an die Jacke der U. S. Air Force erinnert. Karl Lagerfeld stellte in der Chanel-Kollektion ein Strickjäckchen vor, dessen Schnitt sich von der Fliegerjacke ableiten lässt. Und die amerikanische Designerin Tracy Reese hat in der Sommerkollektion ihres Labels Kragen und Taillenbund der Militärjacke verarbeitet.

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Wenn man die Bomberjacke im Detail betrachtet, wird schnell klar, warum sie so viele Ideen hergibt. Es handelt sich um ein Stück Design, das sehr funktional und vielleicht deshalb so ikonisch ist. Streng genommen darf nur das Modell MA-1, 1958 von der Air Force ausgegeben, als Bomberjacke bezeichnet werden. Diese Nylonjacke war damals eine Weiterentwicklung der üblichen Fliegerjacken aus Leder. Dank des glatten Kunstgewebes verringert sich die Gefahr, im Cockpit an den vielen Schaltern und Armaturen hängen zu bleiben. Nylon ist auch leichter und billiger als Leder. Das grelle Futter kann nach außen gestülpt werden, um den Piloten im Notfall für Rettungsmannschaften auffindbar zu machen. Die Jacke hat einen eng anliegenden Strickkragen, der sich im Ernstfall nicht mit dem Fallschirm verheddert. Eine Bomberjacke wärmt noch bei Temperaturen von minus 15 Grad. Die ersten Modelle waren sogar mit Druckknöpfen versehen, an denen man eine Sauerstoffmaske festmachen konnte. Also ein durch und durch sinnvolles Stück – und sinnvolle Kleidung sieht nie ganz schlecht aus.

Jacken im Bomber-Schnitt lassen sich gut zu leichten Stoffhosen tragen. Wirklich bescheuert wirken sie allerdings in Kombination mit Springerstiefeln.