Dieser Schönheitstipp, nach dem häufiges Bürsten langes Haar glänzender macht, stammt aus Zeiten, in denen Frauen sich noch nicht so häufig die Haare wuschen wie heute. Damals streute man eher etwas Duftpuder auf den ungewaschenen Schopf. Die reichhaltigen Mengen an Fett, das die Talgdrüsen an den Haarwurzeln ständig produzieren, wurden dann durch das Bürsten gleichmäßig über die Mähne verteilt. Und gut gefettetes Haar glänzt einfach mehr als trockenes.

Das klingt für unsere modernen Hygienevorstellungen vielleicht ein bisschen eklig, aber das Fett ist ja nicht überflüssig, sondern es hat tatsächlich eine Funktion. Der Talg macht das Haar geschmeidiger und weniger bruch- und splissanfällig. Wenn man sich dagegen, wie es heute viele Menschen tun, täglich die Haare wäscht, dann gibt es beim anschließenden Bürsten kein Fett, das zu verteilen wäre.

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Trotzdem werden gebürstete Haare ein wenig mehr glänzen – sie werden in Form gebracht, sodass die Strähnen schön parallel liegen. Die Borsten glätten zudem die Schuppen, aus denen die Haaroberfläche besteht. Außerdem werden Schmutz und Hautschuppen aus dem Schopf entfernt. Die Zahl Hundert kann man aber auf jeden Fall als Poesie des Volksmunds bezeichnen. Denn jedes Bürsten und Kämmen strapaziert auch das Haar. Den Schaden kann man begrenzen, indem man zu Bürsten mit Naturhaaren statt mit Plastik- oder Metallborsten greift. Und hundert Bürstenstriche pro Tag sind auf jeden Fall zu viel – zehn tun es auch.

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