Ich träume davon, dass in den nächsten Jahren noch überraschende Wendungen auf mich warten. Die Vorstellung, die nächsten vierzig Jahre nur Schauspieler zu sein, ist für mich ein Albtraum. Ich liebe meinen Beruf, aber man bewegt sich oft in einer Blase, und ich mag es, diese Blase von Zeit zu Zeit zu verlassen. Wie eine Freundin von mir kürzlich sagte: Wer nicht vom Weg abkommt, bleibt auf der Strecke! Ich möchte immer wieder mal andere Abzweigungen nehmen. Wie die in Zukunft aussehen werden, weiß ich noch nicht.

Gleichzeitig träume ich davon, irgendwann mit mir selbst vollkommen im Reinen zu sein. Mit meinen Unsicherheiten, Abgründen und Dämonen. In meiner Jugend wusste ich wie wir alle oft nicht, wohin mit meiner Verzweiflung, Trauer, Neugier. Mittlerweile lebe ich leichter mit mir. Ich bin ruhiger, das Flirren in meinem Kopf ist weniger geworden.

Als Teenager habe ich davon geträumt, Auslandskorrespondent zu werden und aus Krisengebieten zu berichten. Mit einem Aufnahmegerät und einer Kamera in der Hand unterwegs zu sein und der Welt von den Schrecken und großen Ungerechtigkeiten zu erzählen – diese Vorstellung gefiel mir. Damals habe ich für die Schülerzeitung geschrieben. Als ich dann das erste Mal auf einer Bühne stand, nahm mein Leben eine andere Richtung.

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Ich bin Optimist. Deshalb träume ich davon, in einem Land zu leben, das die Werte, die es predigt, auch tatsächlich umsetzt. Wir propagieren Freiheit, Menschenrechte und Chancengleichheit, benachteiligen aber Menschen ausländischer Herkunft bei der Job- oder Wohnungsvergabe. Wir lassen Flüchtlinge, deren Leben in ihrer Heimat bedroht ist, nicht über unsere Grenzen. Die wenigen Flüchtlinge, die wir aufnehmen, pferchen wir in Container, in leblose Räume, wo sie keine Möglichkeit haben, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Wir behandeln sie wie Eindringlinge, die unseren Lebensstandard bedrohen. Wir können so viel mehr tun! Länder wie der Libanon, Kenia oder Pakistan zum Beispiel, denen es wirtschaftlich schlechter geht, beherbergen deutlich mehr Flüchtlinge als wir.

Ich bin in Kreuzberg aufgewachsen und habe den Eindruck, dass das Miteinander unterschiedlicher Kulturen in meiner Jugend besser funktioniert hat als heute. Ich lebe gerne in Deutschland, ich liebe das Land und viele der inspirierenden Menschen hier. Aber wir sind häufig so ängstlich, nach innen gewandt, kleingeistig. Ich sehe das so: Jeder, der hier geboren ist, sollte sich dazugehörig fühlen können, ohne aufgrund seiner Wurzeln ständig vermittelt zu bekommen, anders zu sein. Und wir, die wir beim Geburtslotto Glück hatten und in Deutschland auf die Welt gekommen sind, sollten uns verpflichtet fühlen, denen, die weniger Glück hatten, die Hand zu reichen. Jeder, der verfolgt wird, sollte die Möglichkeit haben, bei uns Schutz zu suchen.