Es begann bereits in der Tiefgarage, als ich den großen Kleinen abholte. "Ich frage mich schon die ganze Zeit, wem dieses merkwürdige Auto gehört", sagte eine Frau, die soeben dem Modeteil der Vogue entstiegen zu sein schien und nun auf einen fetten BMW in Rennoptik zusteuerte. Es setzte sich fort, als ich kurz darauf vor zwei Kollegen stoppte: "Dausend, das ist jetzt nicht dein Ernst", meinte der eine. Der andere lachte. Der Höhepunkt war erreicht, als meine siebenjährigen Zwillingstöchter ihr Experten-Urteil fällten, gekleidet in scheinbar unverfängliche Kinderfragen: "Papa, warum sieht das Auto nicht schön aus?", fragte Siri. Und: "Papa, können wir nicht mit dem Auto von Mama fahren?" Hedda. Das war der Moment, in dem ich anfing, den Fiat 500 L zu mögen.

Der Fiat 500 L ist der noch junge, aber schon deutlich größere Bruder des legendären Cinquecento, jenes Kleinstwagens, der nach ganz viel Italien klingt, aber mit allen Teilen in Polen produziert wurde. L heißt dieser Fiat 500, weil er sich von XS zu einer Art Espresso-Van aufgepumpt hat. In der Farbvariante "Gelato Weiß" sehe er daher nun aus wie ein riesiges Marshmallow, schrieb eine Kollegin. Der Fiat 500 L, das gilt für alle Farben, ist also ein Cinquecento mit Adipositas. Und kleine, dicke Autos muss man allein schon deshalb mögen, weil alle immer nur große, schnelle wollen. Nicht nur Menschen, die nicht der Norm entsprechen, sind interessant. Autos auch.

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Die Fahrt von Potsdam zum Stechlinsee war herrlich – und der Fiat 500 L nicht "Gelato Weiß", sondern irgendwie Creme, da fühlte man sich gleich weniger überzuckert. Als die Kinder mal wieder, unser familiärer Ritus bei Autofahrten aller Art, die Abba Gold-CD hören wollten, musste ich nur ein wenig das Gaspedal runterdrücken – und schon knurrte der Motor die leidige Dancing Queen ebenso entschlossen nieder wie den totgehörten Fernando. Welch Segen! Die wundervolle Aussicht durch die große Scheibe und die daran anliegenden Eckfenster auf das unverbaute Brandenburg lenkte anschließend prima vom Gemeckere und Gemurre im Fond des Wagens ab, das sich durch den Motorenlärm doch noch irgendwie nach vorn fraß. Und überhaupt ist der Micro-Van aus dem Hause Fiat das ideale Gefährt für den gestressten Großstädter und liebenden Vater: Schon lange kein Auto mehr gefahren, in dem man so wunderbar entschleunigen kann.

Technische Daten

Motorbauart: 4-Zylinder-Benzinmotor, Leistung: 70 kW (95 PS)
Beschleunigung (0–100 km/h): 12,8 s
Höchstgeschwindigkeit: 178 km/h
CO2-Emission: 145 g/km
Durchschnittsverbrauch: 6,2 Liter
Basispreis: 15.950 Euro

Peter Dausend ist Redakteur im Hauptstadtbüro der ZEIT