Wenn Peter Beer etwas erklärt, dann auf Niederbayerisch. Beer muss derzeit viel erklären, denn er ist Aufsichtsratschef von Weltbild, dem Medienkonzern, der vor wenigen Tagen Insolvenz angemeldet hat. Warum der Finanzierungsbedarf zuletzt so dramatisch angestiegen ist, das sei "bisher noch nicht wirklich nachvollziehbar". Beer deutet an, dass sich die kirchlichen Eigentümer nicht ausreichend über die Gründe informiert fühlten, als sich die Situation jüngst zuspitzte. Auch deshalb weigerten sie sich, mehr Geld zuzusagen.

Ein Aufsichtsratschef, der im Hauptberuf Generalvikar des Erzbistums München und Freising ist. Viele Eigentümer, die ahnungslos scheinen. Und eine Unternehmensführung, die den Draht zu diesen Eigentümern verloren hat. – Das ist die Misere bei Weltbild. Erst im Herbst hatten die 27 katholischen Bistümer, denen Weltbild direkt oder indirekt gehört, 65 Millionen Euro zusätzliche Mittel zugesagt und einen Sanierungsexperten in die Geschäftsführung geholt. Umso überraschender kam die Pleite.

Weltbild war zusammen mit seinem Partner Hugendubel der größte deutsche Wettbewerber von Amazon und verdiente am Versand von Büchern, CDs, DVDs und Spielwaren, bestellbar per Katalog und online. Außerdem betreiben Weltbild und Hugendubel die Buchhandelskette mit den meisten Filialen im Land. Die darüberliegende Finanzholding DBH Buch Handels GmbH gehört den beiden Gesellschaftern zu gleichen Teilen.

Pleite sind nun die Verlagsgruppe Weltbild GmbH, deren Internetshops und Töchter wie Kidoh. Das Filialnetz und buecher.de sind bisher nicht betroffen.

Mit Weltbild scheitert aber auch die katholische Kirche in der Welt der Wirtschaft. Längst hatte sich die Verlagsgruppe von ihren katholischen Wurzeln entfernt und dem ökonomischen Wachstumsdenken unterworfen. Solange sie Gewinn erwirtschaftete, störte das niemanden. Nun aber, da binnen kurzer Zeit Umsatz und Gewinn drastisch eingebrochen sind, zieht die Kirche die Notbremse.

Bereits im Geschäftsjahr 2011/12 war der Umsatz um rund fünf Prozent zurückgegangen, auf 822 Millionen Euro. Diese Entwicklung hatte sich im Geschäftsjahr darauf, also bis Juni 2013, beschleunigt. Das Verlagshaus, das weiter mit Katalogen und langen Vorlaufzeiten arbeitet, schrieb rote Zahlen. Dramatisch wurde es aber erst in den vergangenen sechs Monaten. Ein Absturz.

So ist zu hören, dass der Umsatz im Weihnachtsgeschäft deutlich stärker gefallen war als ohnehin eingeplant. Nur mit massiver Werbung – die natürlich kostet – konnten die Einnahmen wieder stabilisiert werden. Weltbild machte im Weihnachtshalbjahr rund 70 Prozent seines Jahresumsatzes, vor allem im November und Dezember. Ein Insider gibt zu verstehen, der Umsatz im laufenden Geschäftsjahr drohte auf 650 Millionen Euro zu fallen. Es wäre ein Minus von 20 Prozent in nur zwei Jahren.

Die Beteiligten wurden von der Entwicklung überrollt. Experten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG hatten seit Sommer ein Sanierungsgutachten erstellt, dessen letzter Entwurf von Mitte November stammen soll. Damals zeigte man sich noch optimistisch. Dann aber habe das Management dabei zusehen können, wie der Umsatz absackte. Nach Weihnachten musste der Geldbedarf für die nächsten drei Jahre neu berechnet werden.